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Die Himmelsscheibe von Nebra (Durchmesser 32 cm). Ursprünglich waren nur die Mondsichel, die 32 goldenen Punkte und die große Scheibe links von der Mitte abgebildet.
Foto: J. Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.

Venus auf der Himmelscheibe von Nebra

Zeigt die Scheibe ein Himmelsphänomen
oder
ist sie ein Schaltmonat-Prunkstück?

Die Himmelsscheibe von Nebra, wahrscheinlich 3700 bis 4100 Jahre alt, wurde etwa zur Zeit von König Bur-Sin (ca. 1800 v. Chr.) hergestellt. Der 8-jährige Venuszyklus könnte der Schlüssel sein, die Himmelsscheibe besser zu verstehen und in einen größeren Kulturzusammenhang zu bringen.

Viele haben versucht, das Bild zu interpretieren. Der 3-4 Tage alte Mond und das Siebengestirn sind leicht zu erkennen. Aber was stellt die große Goldscheibe vor? Meistens wird sie als Vollmond oder Sonne verstanden, doch würde in ihrer Anwesenheit das Siebengestirn unsichtbar werden. Die ganze Konfiguration ist so stimmig, Vollmond oder Sonne hätte doch viel größer dargestellt zu werden?

Könnte es sein, dass die Nebra-Scheibe den schönen Augenblick darstellt, in dem sich Venus, der Stern des Mondes, und der Mond selbst eines Abends im Frühjahr 1602 v. Chr. in der Dämmerung treffen?

"Wenn es so überwältigend groß gemacht wird, liegt es an einem bekannten Phänomen aus der bildenden Kunst: der Perspektive der Bedeutung. Große Könige wurden größer gemacht als kleine Bauern. Unter den Lichtquellen des Himmels ist die Venus wirklich eine der Großen."
Quelle: Søren Toft, http://www.astoft.dk/nebra/nebra_de.html

Søren Toft stellte die Frage, ob ein solches Treffen ein wirklich einzigartiger Moment in der Geschichte war. Oder findet es vielleicht öfter statt? Wann wird es wieder am Himmel sichtbar sein?

Himmelscheibe von Nebra,
eine Bronzeplatte vielleicht 3700 - 4100 Jahre alt

Die Himmelsscheibe von Nebra zeigt eine ähnliche Venus-Plejaden Konstellation als wir Anfang April 2020 erleben konnten. Das folgende Bild zeigt ihre Stellungen an drei aufeinanderfolgenden Abenden:

Auf der Himmelscheibe von Nebra ist auch der Mond dabei. Am 27.3.1602 v. Chr. war das Himmelsbild ähnlich als der Konfiguration auf der Nebrascheibe.

Wie selten ist dies? John Meeks hat diese Frage bearbeitet:

Die Daten der Zusammenkünfte (Lat. 51° N und Long. 7.5° O).:
25. Feb. -1788 (Venus knapp unterhalb der Plejaden, Mondsichel oberhalb), leider um 8.21 Uhr Mitteleuropäische Zeit
27. Feb. -1772 (Venus bei Electra, Mondsichel links davon) um 18.21 MEZ, obwohl bei einsinkender Dunkelheit der Mond sich wegbewegt.
28. Feb. -1764 (Venus bei Taygeta, Mondsichel unterhalb)
3. März -1748 um 1.21 MEZ
6. März -1732 (Venus 2° nördlich der Plejaden, Mondsichel 2° östlich) um 11.21 MEZ

Im Zeitraum -2100 bis -1601 sind einige schöne Zusammenkünfte von Mond, Plejaden und Venus , doch nicht alle - sogar die wenigsten - fallen zu einer Stunde, die für die Nebra-Kultur günstig ist.

Es ist gar nicht so schwierig, die Zeitspannen auszufinden, wo eine solche Begegnung möglich ist. Es ist immer in der Zeit, wo die Venusschleife an den Plejaden sich vorbeibewegt. Es gibt also immer wieder - alle 243 Jahre - eine Periode von etwa 40 Jahren, wo Venus sich durch die Plejaden hindurchbewegt.

243 Jahre vor -1601 war - 1844. Venus passierte etwa ein Plejaden-Durchmesser südlich der Plejaden, jedoch ohne Mondsichel.
Danach bewegt sich die Schleife zu weit nach Westen, sodass weitere Annäherungen von Venus und den Plejaden nicht mehr zustande kommen.

1. April 2044 wird die nächste Gelegenheit sein, eine schöne Mond-Plejaden-Venus Zusammenstellung zu sehen. Diese ist ein direkter Nachkomme von der Konstellation von -1601 !
Genauer gesagt: eine Schleife wandert in 243 x 5 = 1215 Jahren durch den Tierkreis. In dieser Zeit wandert sie durch alle Schleifen-Formen und Zwischen-Formen, entsprechend einer bestimmten Lage der Knoten.
In 3645 Jahren hat sie diese Wanderung dreimal vollzogen. -1601 + 3645 = 2044.
Eine solche "Nachkommenschaft" erinnert ein Bisschen an die Saros-Perioden.
Interessant ist es, die Venus-Schleifen zu vergleichen. Weil die Knoten in der Zwischenzeit gewandert sind, bekommt man eine etwas andere Form.
2044 wandert Venus durch die Plejaden; 1602 BCE wanderte sie etwas südlich davon. Aber gerade diese südliche Stellung macht die Nebra-Stellung leichter künstlerisch darstellbar.

Weitere Forschung

Für weitere Forschung wird die Arbeit von B. L. van der Waerden und Jean Meeus empfohlen :
"Acht Jahre später würden alle Venuserscheinungen 4 Tage früher im babylonischen Monat stattfinden, damit geht die Übereinstimmung verloren. (Fett von LB, der Mond ist ja dann nicht wiederum eine Abendsichel). Um wieder Übereinstimmung zu erreichen, muß man 7 oder 8 mal 8 Jahre, also 56 oder 64 Jahre weitergehen. Dann nämlich verschieben sich die Venuserscheinungen um 28 oder 32 Tage, d.h. um rund einen Monat, wodurch die richtige Lage zum Neumond wieder hergestellt ist.
Man kann auch um 56+64=120 Jahre weitergehen."
Aus: B. L. van der Waerden: Die Anfänge der Astronomie, Erwachende Wissenschaft II, Birkhäuser Verlag, Basel 1980, 2. Auflage S. 42

Siehe für Venus und den Plejaden die Forschungsarbeit von Jean Meeus. Er zeigt auch, wie die Schleife von Venus über die Plejaden vom Ost nach West zieht.
Quelle: Jean Meeus (2002) "More Mathematical Astronomy, Morsels", Willmann-Bell S 271-276

Und siehe für die Frage "Zeigt die Scheibe ein Himmelsphänomen oder ist sie ein Schaltmonat-Prunkstück?" die Texte über den achtjährigen Venuszyklus und den 13. Monat in Menu "Anfänge Himmelskunde"

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