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Aus welcher Intention wurde die Himmelsscheibe hergestellt?

Über die Deutung der Himmelscheibe von Nebra, gibt es auf Internet viele Betrachtungen, z.B. die von Gary David Thompson und Burkhard Steinrücken:

https://sternwarte-recklinghausen.de/astronomie/forschungsprojekt-vorzeitliche-astronomie/

Und manchmal sind selber erforschte Hypothesen zugefügt, wie z.B. von Harald Gränzer:

Immer wieder tauchen neue Diskussionen auf. Seit 3.9.2020 wird die Alter der Scheibe und viel mehr neu hinterfragt:

ArchInf-EV_Gebhard_Krause_d2.pdf

"Aufgrund ihrer Bildmotive und der Art ihrer Darstellungen ordnen sie die Himmelsscheibe der Eisenzeit zu und stellen damit die Fundamente der bisherigen Deutung der Himmelsscheibe grundlegend in Frage.

Auch Gebhard und Krause zweifeln nicht daran, dass die Himmelsscheibe ein echtes prähistorisches und einmaliges Objekt ist. Die Frage nach ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung müsse jetzt aber völlig neu, aus anderem Blickwinkel und mit geänderten Inhalten erforscht werden.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt widerspricht den Thesen von Gebhard und Krause und verweist auf inhaltliche Unstimmigkeiten des Artikels."

Diskussion auf Wikipedia

2007: Venus wurde von der Diskussionsseite entfernt

In 2007 gab es auf der Webseite von Wikipedia über die Himmelsscheibe etwa 59 Seiten Diskussion. Viele Theorien waren Zeugnisse kompliziertersten mathematischen Forschungen, ob die damaligen Menschen mit ähnlichen geschulten Blick und Fähigkeiten beobachtete und sich Gedanken machte. Es gab mehrere Versuchen auf der Diskussionsseite (!) der deutschen Wikipedia über die Anwesenheit des hellsten Planeten Venus auf der Scheibe zu berichten. Meine Beiträge wurden jedoch immer wieder von dieser Diskussionsseite entfernt. (Was damals auf der vorherigen Website war, wurde beim Umbau in einem PDF gebündelt:

2007-Venus_auf_Nebrascheibe-LB.pdf?

Erst war die Begründung, dass ich kein Titel hatte. Nach Unterschreiben mit ir. wurde auch wieder alles von der Diskussionsseite entfernt.

"Es tut mir leid. In der Wikipedia werden keine „Privattheorien“ veröffentlicht, sondern nur anerkannte (was nichts über deren Wahrheitsgehalt aussagen muss). Wenn deine Hypothese einen Review überstanden hat und in der wissenschaftlichen Fachpresse veröffentlicht wurde, kann sie gerne Eingang in den Artikel finden. Sonnst nicht." Rainer Z... 22:39, 1. Apr. 2007 (CEST)

Die Archiv der Diskussionsseiten sehen 2020 viel eingeschränkter aus als in 2007

2020: .. angedeuteten Fakten nur sehr schwer
bzw. gar nicht verifizieren lassen

2020 scheint es auf Wikipedia anders zuzugehen. Die "offizielle Interpration" darf auf der Diskussionsseite hinterfragt zu werden:

"Ich bin interessierter Laie, habe aber beruflich (Biologin) Erfahrung mit naturwissenschaftlichen Publikationen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die in den Verlautbarungen angedeuteten Fakten nur sehr schwer bzw. gar nicht verifizieren lassen -- besonders das Kernproblem, nämlich die Datierung der Scheibe, wird aus den sogenannten Beifunden abgeleitet (C14-Datierung von organischem Material am Schwertgriff).

Leider fehlen jedesmal die Belege, auf die sich die steilen Hypothesen des Herrn Meller und seiner Co-Autoren stützen. M.E. handelt es sich dabei um den Versuch, möglichst wortreich zu verschleiern, dass man abgesehen von einigen chemischen Untersuchungen des Metalls (was aber letztendlich auf die Binsenweisheit hinausläuft, dass die Scheibe aus der Antike stammt, also pi mal Daumen älter als 1500 Jahre ist) nichts wissenschaftlich Belastbares zu bieten hat.

Streng genommen handelt es sich selbst bei angeblichen Fundort der Scheibe um eine Mutmaßung. Dies müsste auch im Artikel stärker hervorgehoben werden! --78.94.9.78 16:45, 14. Jan. 2020 (CET)"

Erster Zustand - Erste Phase
Mehrere Hypothesen auf Wikipedia

Die gefundene Bronzplatte ist im Laufe der Zeiten entstanden. Wir beschränken uns in der Diskussion auf den Theorien über die erste Phase.

Phase 1 - Zuerst ist die Bronzescheibe als Nachthimmel mit 32 Sternen, dem Voll- und dem Sichelmond ausgestattet.

Das eigene Photoshopbild: die Darstellung der ersten Phase. Da die Abendsichel Ende des Winters aussieht wie Kuhhörner (Standort Nebra), hat man, um ein naturgetreues Bild zu erhalten, die offizielle Photo der Himmelsscheibe ein wenig drehen.

Die offizielle Photo der Himmelsscheibe

Wikipedia:
Interpretation von Meller und Schlosser

Nach der Interpretation von Meller und Schlosser stellen die Plättchen Sterne dar, die Gruppe der sieben kleinen Plättchen vermutlich den Sternhaufen der Plejaden, die zum Sternbild Stier gehören. Die anderen 25 sind astronomisch nicht zuzuordnen und werden als Verzierung gewertet. Die große Scheibe wurde zunächst als Sonne, mittlerweile auch als Vollmond interpretiert und die Sichel als zunehmender Mond.

Mond und Plejaden stehen nach Meller und Schlosser für zwei Termine der Sichtbarkeit der Plejaden am Westhorizont. Die Plejaden hatten gemäß Schlosser um 1600 v. Chr. ihren akronychischen Untergang am 10. Märzgreg. sowie ihren heliakischen Untergang am 17. Oktobergreg..[13]

Schlossers chronologischen Ansetzungen der Plejadenuntergänge wird in der Fachliteratur mehrfach widersprochen, da aufgrund der Witterungs- und Sichtbedingungen die jeweiligen Untergänge an verschiedenen Tagen beobachtet wurden. Die Schwankungsbreite liegt bei etwa sechs Tagen.

Wenn am März-Termin der Mond in Konjunktion mit den Plejaden stand, war er eine schmale Sichel kurz nach dem Neumond. Im Oktober war bei einer etwaigen Konjunktion der Mond voll. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerungshilfe (Meller: Memogramm) für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient haben.[14]

Wikipedia:
Rahlf Hansen

Eine im Jahr 2006 vorgenommene andere Interpretation der ersten Phase vertritt der Astronom Rahlf Hansen vom Planetarium Hamburg. Demnach solle schon in der Bronzezeit der Versuch einer Harmonisierung des Mondjahres (354 Tage) und des Sonnenjahres (365 Tage) vorgelegen haben, um einen Gleichklang zu erzielen. Damit wäre das Wissen, das auf der Bronzescheibe festgehalten ist, ein weiteres frühbronzezeitliches Äquivalent neben den babylonischen und altägyptischen Schaltmonaten.[15]

Die Venus-Tafeln des Ammi-saduqa stellen bislang die ältesten Aufzeichnungen von Schaltmonaten dar. Etwa 1000 Jahre jünger sind die babylonischen Keilschrifttexte mul.apin, die neben der Frühjahrsschaltregel ergänzend einen Herbstschaltmonat nennen. Letztgenannter fand ebenfalls während der Regierungszeit des babylonischen Königs Ammi-saduqa neben dem Frühjahrsschaltmonat Anwendung.

Wikipedia:
Johannes Koch

Johannes Koch lehnt bezüglich der Himmelsscheibe von Nebra Vergleiche mit der vermeintlich ähnlichen babylonischen Plejaden-Schaltregel ab.[16]

Als PDF (22.12.2016):

Manfred-Feller-Johannes-Koch-Himmelsscheibe.pdf

Website Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie,
Halle, Sachsen-Anhalt

Die Plejaden

Die sieben Töchter des Atlas

Der einzige auf der Himmelsscheibe von Nebra erkennbare Sternenhaufen ist eine Gruppe von sieben eng beieinander stehenden Goldpunkten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier die Plejaden dargestellt sind.

Sie sind in Europa von großer Bedeutung für den bäuerlichen Kalender. Ihre letzte Sichtbarkeit am Abendhimmel im Westen am 10. März bestimmt den Beginn der Aussaat. Ihr Untergang am westlichen Morgenhimmel am 17. Oktober fällt mit dem Beginn der Ernte zusammen.

Auf der Himmelsscheibe sind die Plejaden am Westhimmel abgebildet, eingeschlossen zwischen Märzsichel und Oktobervollmond - eine Konstellation, wie man sie nur auf der geographischen Breite sehen kann, auf der auch Mitteldeutschland liegt. Die Himmelsscheibe könnte so als idealer Kalender für Beginn und Ende des bäuerlichen Jahres benutzt werden.

„Wenn das Gestirn der Pleiaden, der Atlastöchter, emporsteigt,
Dann beginne die Ernte, doch pflüge, wenn sie hinabgehn;
Sie sind vierzig Nächte und vierzig Tage beisammen
Eingehüllt, doch wenn sie wieder im kreisenden Jahre
Leuchtend erscheinen, erst dann beginne die Sichel zu wetzen“
Hesiod (8/7. Jh. v. Chr.), Werke und Tage, Verse 383-387

Links: Letzte Sichtbarkeit der Plejaden um den 10. März (heutiger Kalender), rechts: Erster Untergang am westlichen Morgenhimmel um den 17. Oktober (heutiger Kalender) (© LDA Sachsen-Anhalt)


Die Schaltregel

Die Ordnung der Zeit

Die Rhythmen am Himmel überdauern Jahrtausende: Schon zur Zeit der Himmelsscheibe gab die Sonne Tag und Jahr vor, der Mond den Monat und die Woche. Am Beginn eines neuen Monats erscheint der Mond als sehr schmale Sichel, genannt Neulicht. Um das Mondjahr mit dem 11 Tage längeren Sonnenjahr in Einklang zu bringen, fügte man Schaltmonate ein.

Aus einem babylonischen Keilschrifttext, dem mul-apin (7./ 6. Jh. v. Chr.), ist eine solche Regel bekannt. Diese besagt sinngemäß: Wenn im Frühlingsmonat, mit dem das Jahr begann, eine Neulichtsichel bei dem Siebengestirn, den Plejaden, steht, dann ist dies ein gewöhnliches Jahr. Steht in diesem Monat erst am dritten Tag der Mond bei den Plejaden als eine dickere Sichel, muss ein Schaltmonat eingefügt werden.

Genau dieser Sachverhalt ist auf der Himmelsscheibe verschlüsselt. Die Dicke der Mondsichel auf der Himmelsscheibe entspricht dem Alter des Mondes in der Schaltregel.

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