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Die bunte Herrin des Himmels - ein achtjähriger Zyklus

Die Anfänge der Himmelskunde
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Mond und Venus in der Dämmerung

Die Göttin INANNA führt einen Mensch zu Ibbi-Sin, "König der vier Weltgegenden". Zwischen ihnen die Symbolen des Mondgottes Sin und diesmal des Sonnengottes Schamasch (2028 v. Chr. – 2004 v. Chr.).

Der Sonnengott ist der Zwillingbrüder von "der bunten Herrin des Himmels und der Erde". Der Mondgott Sin ist ihren Vater.

Quelle: Metropolitan Museum of Art

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Ibbi-Sin_cylinder_seal.jpg

Vielleicht schon viel länger als fünftausend Jahre her, haben die Menschen den Himmel beobachtet mit der Frage, wenn der erste Abendsichel (das Neulicht) sichtbar wurde. Dann begann ja der neue Monat. Anschliessend wollten sie wissen wenn NIN.DAR.AN.NA, Nin-si-an-na, INANNA (Venus) im Osten oder Westen verschwand und im Westen bezüglich Osten wiedererschien. Schon vor 1500 v. Chr. wurden diese Daten 21 Jahre lang treue notiert.

Der Anfang der Himmelskunde war das Beobachten der neue Sichtbarkeit vom Mond in der Abendglut, ein Horizontgeschehen während der Dämmerung. Von Venus beobachteten sie das Gleiche, ihr neues Auftritt kurz nach Sonnenuntergang (oder kurz vor Sonnenaufgang) und auch wurde den Tag ihres Verschwindens in der Abendglut oder in der Morgenröte aufgelistet.

Die Frage bei der Abendämmerungsbeobachtung war: Wird sie sichtbar? Für die Mesopotamier war es wichtig zu wissen ob Vater Mondgott Sin (Sumerisch: NANNA) und seine Tochter, die Göttin Venus, am Himmel "in ihrem Heim" waren, oder dass sie in der Unterwelt waren. Bemerkenswert ist, die ersten beschrieben Himmelsbeobachtungen beziehen sich alle auf Übergange in Übergangszeiten.

Die Einheit Mondsichel - Venus

Ein nachgezeichnetes Zylinderbild. Ein Gott auf dem Thron zeigt nach der Mondsichel, aussehend als ein Schiff, mit darin der achtstrahlige Stern, das Symbol der INANNA

Hinter dem König Bur-Sin ist die Göttin NANNA in ihrem siebenstufigen Kleid. Flüstert sie ihn etwas zu?

Quelle: William Hayes (1835-1916): "The seal cylinders of western Asia by Ward",

https://archive.org/details/sealcylindersofw00warduoft/page/22/mode/2up

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Cylinder_seal_of_Bur-Sin.jpg

Im Kalender des sumerischen Königs Bur-Sin (Ur III-Zeit, wahrscheinlich etwa 1800 v. Chr.) hat der 13. Monat eine eigene Name: DIR-SE-KIN-KUD. Er fügte den extra Mondmonat jeweils nach dem 12. Monat am Regierungsjahr hinzu. Das Bild des Rollsiegels ruft Fragen auf. Der Gott zeigt dem König die Symbolen des Mondgottes und der Göttin INANNA. Sie sind dargestellt als eine Einheit, Venus im "Schiff".

Wenn Venus Abendplanet war und es war "Schwarzmond", kein sichtbarer Mond, ist das Himmelsbild gar nicht so anregend als auf den Abenden nach Neulicht. Dann nähert sich die Sichel Venus von Abend zu Abend. Das Treffen von Mondsichel mit dem leuchtenden Venus gehören zu den schönsten Himmelsbildern. Meistens zieht die Sichel an Venus unter- oder oberhalb vorbei. Die Sichel als eine Schale für Venus kommt jedoch immer wieder zustande!

Macht der Gott den König aufmerksam auf ein schönes Himmelsbild. Oder: Wird der König durch den Gott unterrichtet, dass er für seine Entscheidung über den Schaltmonat auch nach INANNA zu schauen hat?

INANNA verschleiert ihren achtjährigen Zyklus

Wenn INANNA, die bunte Herrin des Himmels und der Erde, fünf Mal als Abendplanet Ischtar (Liebesgöttin) und fünf Mal als Morgenplanet Dilbat (Kriegsgöttin) in jeweils anderen Monaten im agrarischen Jahr sichtbar geworden ist, hat sie ein Zyklus durchlaufen. Dieser Zyklus dauert ein rundes Zahl: acht landwitschaftliche Jahre (8 Sonnenjahre minus 2,5 Tage).

Dieser Zyklus hat einen ganz anderen Charakter als z.B. 12 Mal das Wachsen und Abnehmen des Mondes, 12 mal Kommen und Gehen mit dazwischen immer etwa die gleiche Zeit von unsichtbarkeit. Das achtjährige Venusrhythmus ist viel schwerer empirisch zu entdecken. Die Unsichtbarkeitsperioden sind jeweils anders, die Monate von Kommen und Gehen sind zunächst unüberschaubar über die Monate verteilt.

Man könnte sagen, Venus macht über acht Jahre jeweils etwas Neues, sie lebt sich aus im Variieren. Ihr Gang ist nicht überschaubar klar, nicht mit taktmäßigen Vorstellungen zu beschreiben. Jedoch, nach 10 unterschiedlichen Sichtbarkeitsperioden wird alles sich wiederholen. Welch ein Konstrast!

Venus hat mit der Sonne einen achtjährigen Rhythmus. Sie ist sehr mit ihrem Zwillingbrüder verbunden, obwohl sie sich so bunt benimmt.

Alle Reisen in die Unterwelt und alle INANNA- Neulichter finden nach acht Jahren wieder in der gleichen Phase des Kreislaufes der Natur statt. Bei richtig Schalten sollte INANNA im neunten Regierungsjahr wieder beim Gersteschnitt oder beim Ernten der Datteln, im gleichen Zeit des agrarischen und kulturellen Jahres, und im gleichen Monat Kommen und Gehen als im ersten Regierungsjahr des Königs.

Wenn das Geheim von Venus entschleiert wurde, konnte es für die Kalenderordnung eingesetzt werden. Wen INANNA im 9. Regierungsjahr des Königs nicht in der gleichen Kalendermonat als im ersten Regierungsjahr sichtbar wurde, aber ein Monat später, braucht es ein Schaltmonat.

Die Frau hinter dem König auf dem Bild des Rollsiegels trägt einen siebenstufiges Kleid, sie ist die Göttin INANNA. Flüstert sie den König zu, dass er für das richtige Schalten auch zu Ihr Ausschau halten soll?

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