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Bild: Regula von Arx, Arlesheim, Schweiz "Das Entstehenlassen"


Ostern 2008, ein besonderes Frühlingsfest

Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf ein extrem frühes Datum, erst im Jahr 2160 wird der Ostersonntag wieder am 23. März sein. Ein so frühes Osterfest bedeutet eine besonders rasche Aufeinanderfolge der Ereignisse am Himmel und auf der Erde. Für die Bestimmung des Osterdatums wird sowohl zur Sonne als auch auf den Mond geblickt. Am Ostersonntag hat das Licht die Finsternis überwunden, der Frühling hat begonnen. Ostern findet immer bei abnehmendem Mond statt, am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Bei einem so frühen Osterdatum wie in diesem Jahr folgen der erste Frühlingstag, der Vollmond und der Ostersonntag sehr rasch aufeinander. Der erste Frühlingsvollmond fällt in diesem Jahr auf Freitag, den 21. März, das ist das frühest mögliche Datum. Dies bedarf allerdings eines Kommentars: Nach der astronomischen Frühlingsdefinition beginnt dieser im Jahr 2008 bereits am 20. März, der erste Frühlingsvollmond könnte im Prinzip also bereits einen Tag früher stattfinden. Die westlichen christlichen Kirchen haben jedoch beschlossen, dass ein festes Datum, eben der 21. März, den Beginn des Frühlings markiert. Daher ist der 21. März das früheste Datum für den Ostervollmond und der 22. März das allerfrüheste Datum für den Ostersonntag, dies wird erst am 22. März 2285 eintreten!

Ein so frühes Osterfest bedeutet, dass die Sonne tagsüber ungefähr genau so hoch aufsteigt wie der Ostervollmond in der Nacht. Beim vorigen Vollmond im Februar dauerte die Nacht länger als der Tag und der Vollmond stieg nachts höher als die Sonne tagsüber. Damals gab der Mond nachts länger Licht als die Sonne tagsüber. Zu Beginn des Frühlings hat die Dominanz des Mondlichts ein Ende. Bei einem späteren Osterdatum ist dies deutlich – Mitte April sind die Tage bereits viel länger und der abnehmende Mond steht nachts nur kurz und sehr tief am Himmel. Im Jahr 1913 fand Ostern auch am 23. März (genau so früh) statt, der Mond war jedoch nicht am Freitag, sondern am Samstag, dem 22. März, voll. Jetzt, da der Mond wieder am Freitag voll wird, ähnelt das Geschehen in der Periode zwischen Freitag und dem Ostermorgen viel mehr derjenigen zwischen dem Tod des Christus am Kreuz und seiner Auferstehung: als Christus nämlich am Tag der Kreuzigung bei Sonnenuntergang in das Grab gelegt wurde, ging der Vollmond auf. Sein Licht verlieh der gesamten Nacht eine geheimnisvolle Stimmung.

Am Beginn des nächsten Abends ging der abnehmende Mond auf. Als sich einige Frauen am zweiten Morgen nach dem Tod in aller Frühe auf den Weg zum Grab machten, stand ein noch fast voller Mond auffallend am westlichen Himmel, der viel Licht gab, die Umgebung sah grau aus. Beim ersten Aufleuchten des östlichen Himmels verblasste das Licht des abnehmenden Mondes. Als der östliche Himmel und danach auch die gesamte Umgebung Farbe bekam, wurde die Mondscheibe zu einem unauffälligen grauen Wölkchen.

Am Himmel besteht jedoch auch ein großer Unterschied zwischen damals und heute, wenn wir auf den Ort des Mondes zwischen den Sternen blicken. Vor 2000 Jahren stand der Ostervollmond in der Waage, heute steht er zwischen den Sternen der Jungfrau. Damals gingen Sonne und Widder gleichzeitig unter, heute bleiben die Sterne der Fische unsichtbar.

Der Himmel zeigt niemals exakte Wiederholungen. Die kosmischen Rhythmen zeigen uns Ereignisse, die einander in gewisser Hinsicht zwar ähneln, jedoch jeweils einzigartig sind. An jedem Osterfest überwindet die Sonne die Finsternis in anderer Weise.


Ein sehr frühes Osterfest

Sehr früh im Frühling, am Sonntag 23. März 2008, wird in den westlichen Ländern Ostern gefeiert. Ihr Ostersonntag ist diesmal fünf Wochen früher, als der der orthodoxen Christen, am 27. April. Meistens ist das Auferstehungsfest am gleichen Tag oder die Ostkirche feiert Ostern nur eine Woche später.

Die östlichen orthodoxen Kirchen benutzen eine grobe Berechnungsmethode aus dem sechsten Jahrhundert. Ihr Auferstehungsfest soll nie vor dem jüdischen Pessachfest stattfinden, das am Abend des ersten Frühlingsvollmonds anfängt. Ihr Frühlingsanfang findet jedoch erst am 7. oder 8. April statt. Der Vollmond am 20. April ist in diesem Jahr der jüdische Frühlingsvollmond, die orthodoxen Christen feiern Ostern am darauffolgenden Sonntag.

Die Katholiken und die Protestanten einigten sich 1775, wie man die kosmischen Ereignisse berechnet. Ihr Osterfest ist an dem Sonntag, der dem ersten Vollmond auf oder ab 21. März folgt (Ostern kann schon am 22. März stattfinden.) Für das Bestimmen des ersten Frühlingsvollmondes wird ein kompliziertes zyklisches Berechnungssystem benützt. Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) hatte gewarnt, dass eine astronomisch noch präzisere Osterbestimmung neue Diskussionen hervorrufen wird. Die astronomische Genauigkeit solle man nicht auf die Spitze treiben, "Ostern ist ein Fest, kein Planet".

Das letzte so frühe Ostern war am 23. März 1913. Rudolf Steiner stellte dar, wie besonders ein solches Jahr ist, in dem auf beide kosmischen Ereignisse, den ersten Frühlingstag und den Vollmond, unmittelbar der Tag der Auferstehung folgt. Die Sonne habe mit jedem neuen Frühling schwächere Kräfte. Der Vollmond nähme so viel von der Kraft des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme, wie er von diesem Sonnenlicht zur Erde zurückstrahle. Steiner stellte die Frage, wie lange die Sonnenkräfte noch in der Lage sein würden, die erstarrenden Winterkräfte zu überwinden. Bietet die ersterbende Erde dem Menschen noch die Möglichkeit, aus sich heraus die Fähigkeiten zu entwickeln, die in seinen Anlagen begründet sind? Oder werden die Winterkräfte so stark, dass die Erde in Erstarrung übergeht, bevor die Menschenseele ihre Erdenmission erfüllt hat? Wenn die beiden Tage, die aus dem Kosmos bestimmt sind, Frühlingsanfang und Vollmond, so nahe aneinander rücken, kann man das als ein gewaltiges kosmisches Fragezeichen empfinden: wie finden die Menschen den Weg aus der ersterbenden Erde hinaus?

Als Christus am Kreuz starb, verband sein Geist sich mit der Erde und schuf eine Gegenkraft gegen alles das, was der Mond an Kräften der Sonne wegnimmt. Am Ostersonntag überwindet das Leben den Tod. Ostersonntag als der dritte Tag nach Frühlingsanfang und Vollmond, die moralisch-geistige Sonne am dritten Morgen, ist wie die Antwort auf die große kosmische Frage! (GA 145, der Vortrag “Frühlingsanfang, Ostermond und Ostersonntag” von 23.3.1913 steht auch in GA 150).

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