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Die städtische Hochkultur des Zweistromlandes

Zikkurat mit einer Seitenlänge von 105 m, die bisher älteste gefundene Tempelturm. Der Tempel war vermutlich mit glasierten Ziegeln verkleidet, die oberen Stockwerke mit glasierten Knaufziegeln (Tonnägeln) verziert. An den Tempelportalen wurden halb-lebensgroße Tonfiguren von Stieren und Greifen gefunden. (Tschogha Zanbil, Elam)

Rekonstruierter Tempelturm aus Lehmziegeln für den Mondgott Nanna-Suén in Ur (etwa 2000 v. Chr.)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ziggarut_of_Ur_-_M.Lubinski.jpg

Kultur und Agrikultur im Zweistromland

Das Gebiet um den Euphrat und Tigris (heute Irak) war ein fruchtbares, flaches Kulturland und hieß Mesopotamien, Zweistromland. Schon im 3. vorchristlichen Jahrtausend waren im Süden Stadtstaate "wie Perlen an einer Schnur an den Wasserläufern".

Wenn die Schnee im Hochgebirge schmolz, brachten die Flüße Wasser und Ton. In den Gärten gediehen Lattich, Kresse und ölige Gewächsen, an den Palmen reiften Datteln. Auf den Feldern, die durch ein Netz von Kanälen bewässert wurden, wächsten Gerste und Weizen, in den Wäldern lebten das Rotwild und die Ziege. Außerhalb der Stadt waren die Wiesen, wo die Hirten mit ihren Schafen waren. Die grasfressenden Schafen gaben den Menschen Milch, Wolle und Fleisch. Das Lager der Hirten war auf halber Strecke zwischen der städtischen Kultur und der Steppe mit den wilden Tieren. Mesopetamien war waldarm. Im Sommer ist es auch im Schatten ganz heiss. Noch weiter als die Wildnis der Steppen waren die Bergen. Das Gebirge zu überqueren, brauchte viel Mut.

Im dritten Jahrtausend und zu Beginn des zweiten Jahrtausend v. Chr. hatten die Stadtstaaten einen eigenen König, der jedes Jahr im Neujahrfest von den Göttern in seinem Amt bestätigt wurde.

Im Zweistromland lebten verschiedene Völker, die gleichzeitig und nacheinander eine Aufblühperiode hatten: Sumerer, Akkadier, Babylonier und Assyrer. Die unterschiedlichen Völker lebten zeitweile friedlich zusammen, da war Handel und die königliche Familien verheirateten mit einander. Dann gab es wieder Krieg gegen Nachbarnvolken und gegen einander mit Verwüstungen und Volkerwandelung.

Uruk, die Stadt mit einer hoch entwickelten Kultur

Die sumerische Stadt Uruk lag im Süden von Zweistromland nah an der Mündung des Euphrats, am Persischen Golf. In den Sümpfen waren Fische.

Uruk wurde die erste Großstadt im Mesopetamien, die Menschen hatten unterschiedliche Berufen. Die Bauarbeiter machten aus Lehm Ziegelsteinen, diese wurden in den warmen Monaten des Jahres gebacken. Sie waren auch fähig aus Kalk, Keramik und Steinguss Baumaterialien herzustellen. Sie beherrschten die aufeinander folgenden chemische Verwandlungen, die nötig sind um aus den Grundstoffen die gewünschten Substanzqualitäten herzustellen.

Um die Stadtverwaltung und die Landwirtschaft gut organisieren zu können, waren da Schulen wo lesen, schreiben und rechnen unterrichtet wurden. Die Gewerbetreiber und Händler hatten eine für die damalige Zeit hoch entwickelte Rechentechnik zu ihrer Verfügung. Das sumerische Keilschrift ist vermutlich älter als die Schriften anderen damaligen höheren Kulturen, sie gilt als Vorläufer vieler Schriften. "Die Einführung eines Notationssystems, eben der frühesten Form der Schrift, ermöglichte Lohnbuchhaltung (...) und ließ erstmals nachhaltiges wirtschaftliches Planen auch im großen Stile zu." Aus Bildzeichen entstand ein Schriftsystem von Wort- und Silbenzeichen: gesprochene Sprache konnte "abgebildet" werden.

Die Regierungsjahre der Königen wurden aufgelistet. Das Epos des Königs Gilgamesch (etwa 2700 v. Chr.) ist das älteste bekannte literarische Epos der Weltgeschichte.

Zweistromland im fruchtbaren Halbmond um 2000 v. Chr.

Aus: https://de.wikibooks.org/wiki/Geschichte_der_Menschheit:_Sumer

Ein sexagesimales Rechensystem

Die Sumerer im Süden Mesopotamiens hatten um 3300 v. Chr. einzelne Zeichen für 1, 10, 60, 600 und 3600. Sie entwickelten ein sexagesimales Rechensystem, womit man erstaunlich leicht multiplizieren und teilen kann. Der Zahl 60 lässt sich teilen durch 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20 und 30. Ihre rechnerische Fähigkeiten wurde zwischen 2800 und 1800 v. Chr weiter entwickelt.

Viele Völker haben ihr sexagesimales Rechensystem übernommen. Dieses ist praktisch im Gebrauch und wird noch immer für die Zeiteinteilung und in der Mathematik benutzt: Ein Kreis hat 360 Graden, ein halber Kreis 180 Graden usw. Ein Tag hat 24 Stunden von 60 Minuten usw.

Quelle: B.L. van der Waerden "Ontwakende wetenschap, Egyptische, Babylonische en Griekse wiskunde" (1950, Noordhoff, Groningen)

Ur, der heutige Tell el-Muqejjir im Irak, ist auch eine der ältesten sumerischen Stadten im Zweistromland. Ur und Uruk sind Nachbarstädte

Jede sumerische Stadt hat seine Monatsnamen

Jede sumerische Stadt hatte ursprünglich einen eigenen Kalender von 12 Mondmonaten mit eigenen Namen für die Monate. Die Name des ersten Monats ist jeweils anders, usw. Zunächst war da eine Übereinstimmung zwischen den landwirtschaftlichen Tätigkeiten und den Monatsnamen des Lokalkalenders.

"Die ältesten Monatsnamen finden sich in den altsumerischen Texten aus Lagasch, Adab und Nippur. Zur Zeit der III. Dynastie von Ur bestand eine Vielfalt von Systemen in der einzelnen Städten, doch nahm der Kalender von Ur als "Reichskalender" eine besondere Stellung ein. Auch nach dem Ende des Reiches von Ur III waren verschiedene Systeme in Geltung, bis sich schließlich in Babylonien die Monatsnamen von Nippur durchsetzten."

Auch Neujahrstag variierte, der könnte einige Tage und/oder einige Monate früher oder später sein.

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