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Zugangstüre eines langen Ganges, der ins Innerste eines steinernen Grabhügels führte.

In den Stein sind verschiedene Spiralen eingehauen.

Die Sommersonnenwende und Krebs

Auf der Nordhalbkugel ist am 21. Juni Sommersonnenwende. An diesem Tag erreicht die Sonne ihren höchsten Stand. Ein halbes Jahr lang hat sie jeden Tag längere und höhere Himmelsbögen durchlaufen. Ab dem 21. Juni bis zur Wintersonnenwende wird sie immer mehr unter dem Horizont verborgen bleiben. Für alle Menschen auf der Erde steht die Sonne dann im Sternbild der Zwillinge. Sonne und Zwillinge gehen zusammen auf und gehen zusammen unter. Im Juni sind die Zwillinge nicht sichtbar.

Im Jahr 430 v. Chr. entwarf der Grieche Euktemon eine neue Einteilung des Tierkreises. In seiner Zeit hatte die Sonne während der Sommersonnenwende die Zwillinge passiert und stand schon acht Tage zwischen den Sternen des Krebses. Euktemon ging bei seiner Einteilung der zwölf Zeichen nicht von dem exakten Ort der zwischen den Sternen aus, der ja nicht zu sehen ist. Er wählte vielmehr als Grenzen die besonderen Sonnentage im Jahreslauf. Nach seiner Einteilung tritt die Sonne am längsten Tag des Jahres in das Tierkreiszeichen Krebs. Wenn die Sonne in den Krebs tritt, beendet sie ihre spiralförmige Auswärtsbewegung und beginnt mit ihrem nach innen gewendeten Weg. Das Krebssymbol [hier die zwei Spiralen einfügen], kann als Zeichen dieser beiden entgegengesetzten Bewegungen betrachtet werden.

In der Zeit von Euktemon war die räumliche Vorstellung des Tierkreises, zwölf Bilder, die am Himmel einen Kreis bilden, erst egrade entstanden. In den alten Kulturen gab es diese Zwölfheit noch nicht. So gab es in der altägyptischen Kultur ab 2100 v. Chr. Kalender mit 36 verschiedenen Sternnamen, die zugleich Namen von Göttern waren. Auch sie waren nach dem Sonnenjahr geordnet, allerdings anders als z.B. bei den Babyloniern, die eine echte wissenschaftliche Astronomie entwickelt hatten. Die Babylonier entdeckten um 460 v. Chr., dass sich die Planeten immer in 12 Sternbildern befanden: Stier, Zwillinge, Krebs usw. Die Babylonier hatten für jedes Sternbild des Tierkreises einen Grenzstern. Wenn ein Planet den Grensstern des Krebses passierte, kam er in den Krebs. Das war damals am 13 Juni.

Die Ägypter haben in ihren späten Tempelbauten (entstanden zwischen 323 und 30 v. Chr.) die von den Babyloniern übernommenen Tierkreisfiguren in einem ihrer eigenen Kultur assimilierten Stil nachgezeichnet. Dort, wo im babylonischen Tierkreis der Krebs stand, war ihr heiliger Skarabäuskäfer abgebildet.

Um 3000 v. Chr. erscheinen in vielen Kulturen Spiralzeichnungen. Der große steinerne Grabhügel von New Grange in Irland hat einen Durchmesser von 80 Metern. Auf vielen Steinen dieses Hügels finden sich Spiralen. Man vermutet, dass sie das immer wieder aufblühende und absterbende Leben symbolisieren. Sie sind Ausdruck des Sich-Öffnens und des Verinnerlichens.

Abbildung:

a tempo 06/2001

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