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Der 13. Monat und Venus

Das Venus-Neulicht während 21 Regierungsjahren,
jedes Neulicht wiederholt sich nach acht Jahren

Es ist höchst wahrscheinlich , dass vor 1650 v. Chr. bekannt war, oder dass dann entdeckt wurde:
* Nin-si-an-na (INANNA, Venus) erscheint während 8 Regierungsjahren zehn Mal,
* fünf Mal als Ischtar und fünf Mal als Dilbat,
* Venus wird jeweils in einer anderen Phase des Kreislaufes des Jahres unsichtbar und wieder sichtbar.
* Im neunten Regierungsjahr wiederholt sich ihr Benehmen des ersten Jahres,
* im zehnten Regierungsjahr wiederholt isch ihr Verschwinden und Neuerescheinen des zweiten Jahres usw.
Wenn diese zeitliche Ordnung durch eine aufmerksame Beobachtungsgruppe oder durch den Schreiber entdeckt ist, kann jeder König es leicht für die Wahl der Schaltjahren einsetzen. Wurde Venus im z.B. zehnten Kalenderjahr ein Monat später unsichtbar oder sichtbar wird als im zweiten Kalenderjahr, braucht es wieder einen 13. Monat.

Die babylonischen Schaltmonate hatten andere Namen als die älteren sumerischen. Der 13. Monat hatte nicht mehr einen eigenen Namen wie DIR-SE-KIN-KUD, sondern hiess zweiten Ulul, wenn nach dem 6. Monat (Ulul) einen extra Monat eingeschoben wurde, oder zweiten Adar, wenn nach dem 12. Monat (Adar) den 13. Monat hingefügt wurde. In Babylonien gab es zwei sehr große Feste, ein etwa März-Apri beim Gerstenschnitt und ein ein halbes Jahr später, etwa September-Oktober.

F. Kugler hat bei den Venus-Tafeln von König Ammizaduga prüfen können, dass vom 2. bis 20. Regierungsahr sieben Schalmonaten hinzugefügt waren und dass meistens Ulul-2, einen extra Monat Anfang Herbst, eingefügt wurde. Der babylonische König Ammizaduga (er regierte wahrscheinlich etwa 1646-1626 v. Chr.) benutzte eine erweiterte Schaltmethode als der sumerischen König Bur-Sin (etwa 1800 v. Chr.). Er schaltete in bestimmten Jahren vor dem Gerstenschnitt, in anderen Jahren nach den heissen Monaten, vor dem Aussaat des Gersten. Er hatte einen Präferenz für einen Schaltmonat nach dem 6. Monat, etwa September-Oktober.

Stephen Langdon hatte entdeckt "the omens are taken from the risings only". Die Beschreibungen der Daten des Unsichtbarwerdens und die Länge der Unsichtbarkeit hatten für die Vorzeichen (omina) keine Bedeutung. Siehe: langdon_fotheringham_venus_tablets_ammizaduga_1928.pdf

Für das Handhaben des Schaltens sind die Daten des Verschwindens und die Länge der Unischtbarkeitsperiode jedoch sehr praktisch. Die zehn unterschiedlichen Neulichten von Venus (fünf Mal als Ischtar, fünf mal als Dilbat) fanden während der ganzen Regierungszeit des Königs, während 21 Jahre, jeweils (fast) im gleichen Monat statt. Siehe die Monaten des Neulichtes auf den Venus-Tafeln von König Ammizaduga: Neulicht-8-Jahre-Nin-si-an-na-Langdon.pdf

Die Menschen hatten damals ein ganz anderes Verhältnis zu Zahlen als wir. Multipliziertafel als 12 - 24 - 36 wurden mit anderen Tafel kombiniert. Die Gesetze des Wiederholens hatten ihre Aufmerksamkeit. Da ist also eine große Wahrscheinlichkeit, dass relativ sehr früh (vor 1600 v. Chr) entdeckt war, dass die bunte Herrin des Himmels während 8 Regierungsjahren immers anders im Jahreslauf erscheint, jedoch das anschliessend alles sich etwa wiederholt. Die Rechnenkunde war damals genügend entwickelt um den achtjahrigen Venuszyklus überschauen zu könnne.

Kann die Vermutung, dass der achtjährige Zyklus von Venus, ihr Zusammenspiel mit der Sonne, um 1650 v. Chr ein Wissen war, bekräftigt werden?

Wenn acht Jahre später das Verschwinden und Neulicht
nicht im gleichen Monat ist,
dann .. Ulul-2

Vergleichen wir einige Venusbeschreibungen jeweils acht Jahre später in der Transkription und Übersetzung von S. Langdon:

Das 7. und das 15. Jahr. Nin-si-an-na verschwindet im 15. Jahr 1 Tag früher, sie bleibt 4 Tage länger unsichtbar und wird 3 Tage später zum Neulicht als im 7. Jahr.
Das Verschwinden und das Neulicht sind 8 Jahre später wieder im gleichen Monat: Der König hat zwischendurch gut geschaltet.

Das 2. und das 10. Jahr: Das Verschwinden und das Neulicht sind 8 Jahre später wieder im gleichen Monat. Der König hat zwischendurch gut geschaltet.

Das 11. und das 19. Jahr: Nin-si-an-na verschwindet im 19. Jahr 5 Tage später, sie bleibt 4 Tage länger unsichtbar und wird 10 Tage später zum Neulicht als im 7. Jahr.
Sowohl im 11. wie im 19. Jahr hat Venus ihr Neulicht in Ulul-2, in der extra Monat anschliessend an Ulul. Der König hat in beiden Jahren geschaltet.
Neulicht ist 8 Jahre später im gleichen Monat: Der König hat wieder gut geschaltet.

Bisher ist nicht bekannt ob der König das Kommen und Gehen von Venus zielgericht benutzt hat um den Monate des Regierungsjahrkalenders mit dem Kreislauf der Natur in Schritt zu halten. Dies würde den ganzen Aufwand von 21 Jahre lang beobachten und Notiz machen mehr Sinn geben. Wäre da damals einzig und allein Interesse im Omen, hatte es ja gereicht nur die Daten des Neulichtes zu sammeln.

Etwa 1500 v. Chr wusste man sicher nicht, dass Venus nach jeweils acht Jahre 2 Tage und fast 8 Stunden früher im gleichen Verhältnis zur Sonne, zum Horizont und zu den Sternen tritt. Damals hatte man ja nicht die Vorstellung von einem Sonnejahr mit 365 Tage. Außerdem wurde nicht beobachtet wie Venus an den Sternen vorbeizieht.

Bemerkenswert ist, dass das verfrühte Unsichtbarwerden und das verspätete Sichtbarwerden des Mondes und der Venus durch Wetterbedingungen und die vielen unregelmässigen Bewegungen des Mondes die langjährigen Kalenderordnung nicht zerstören. Die Methode stützt sich auf ein Zusammenspiel von Rhythmen und mit kleineren Anpassungen läuft es ewig gut weiter. Als Bewohner von Zweistromland, als Kanälenbauer und als Ackerbauer war das Umgehen mit Strömungen eine tägliche Arbeit. Das dritte Rhythmus, das achtjährige Zusammenspiel von Venus und Sonne, ermöglicht außerdem für die kommende acht Jahre die Schaltmonate vorauszusagen.

Die Kalenderunstimmigkeiten der ägyptischen und julianischen Kalender, des Mayakalenders usw sind bedingt durch "scharfe Definitionen" die ihnen zugrunde gelegt wurden.

Entwicklungsstufen zu definitiven Schaltschema

Seit der 3. Dynastie von Ur (etwa 2000 v. Chr) war der Mondkalender im Sonnenjahr gut eingebunden. König Bur-Sin (etwa 1800 v. Chr) wusste vielleicht schon, dass das Kommen und Gehen von Venus eine Hilfe ist, den 13. Monat rechtzeitig hinzufügen. König Ammizaduga (er regierte wahrscheinlich 1646 - 1626 v. Chr) wusste wahrscheinlich viel von dem Verschwinden und Neuerscheinen von Venus in acht Jahren und konnte so rechzeitig einen Schaltmonat hinzufügen.

Ab 1100 v. Chr entstand ein Wissen über das jährliche Neuerscheinen und Verschwinden der Sterne in bestimmten Phasen des Kreislaufes der Natur und konnte auch so ein Schaltjahr bestimmt werden.

Bis vor 530 v. Chr. (d.h. in der neubabylonischen Zeit) zeigten die Schaltjahre keine langjährige Regelmässigkeit. Ab 529 v. Chr. wurde ein 8-jährigen Schaltzyklus mit drei Schaltjahre eingeführt. Nach drei Zykli funktioniert diese jedoch nicht mehr.

Alle Venuserscheinungen wiederholen sich nach 99 babylonischen Mondmonaten minus 4 Tage. (Genauer: nach 99 Mondmonaten minus "4 Tithis", wobei ein Tithi 1/30 eines mittleren synodischen Monats dauert). Tithi ist ein Indisch Wort. Ob die Menschen in Zweistromland diese Zusammenhang schon viel länger wussten?
99 Monate sind 8*12 plus 3 Monate. Je 8 Jahre braucht es 3 Schaltmonate (spätere griechische Oktaoteris).

Ab 499 v. Chr. unter Dareios I, der Großkönig des altperischen Reichs, gibt es das Schema von einem gut funktionierenden 19 jährigen Schaltzyklus mit den Schaltjahren 3-6-8-11-14-17-19.
Die Schaltmonaten sind ein zweiter Ululu (VI-2) und ein zweiter Adarru (XII-2).
Quelle: B. L. van der Waerden: Die Anfänge der Astronomie, Erwachende Wissenschaft II, Birkhäuser Verlag, Basel 1980, 2. Auflage S. 111- 113

Der Bogenschützenfries aus dem Palast von Dareios I. Glasierte Ziegel, etwa 510 v. Chr. Louvre, Paris
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Archers_frieze_Darius_1st_Palace_Suse_Louvre_AOD_488_a.jpg

Sieben Schaltmonate je 19 Jahren

Sieben Schaltmonate je 19 Jahren ist gerade das richtige Verhältnis um die durchschnittlich 11 Tage kürzere Dauer der 12 Mondmonaten zum Sonnenjahr zu kompensieren. Der Mondkalender halt so Schritt zum agrarischen Jahr und zum Sonnenjahr.
Im Schema von den Jahren 3-6-8-11-14-17 und 19 als Schaltjahren ist der achtjährige Venuszyklus integriert. Die Schaltjahre zeigen den achtjährigen Venus-Sonne Zyklus.
3-11-19
6-14
8-17 (nicht 16)

Im Jahr 424 v. Chr. wurde von Artaxerxes I. ein planmäßiger Schaltzyklus eingeführt. In den Jahren 3, 6, 8, 11, 14 und 19 erfolgte der Einschub des Monats Addaru II; im 17. Jahr dagegen als 13. Monat der Ululu II. Die Nachfolger von Artaxerxes I. hielten sich ebenfalls an das Schaltschema.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ta%C5%A1ritu

Extra: 19 Jahre und Osterdatum

Wahrscheinlich wurde 432 v. Chr. die Neunzehn-Jahre-Periode durch die griechischen Astronomen Euktemon und Meton benutzt um die Länge des Sonnenjahrs festzulegen und einen reinen Sonnenkalender zu schaffen. Meton errichtete einen astronomischen und Wetter-Vorhersagekalender (Parapegma) und später wurde diese Periode nach ihm benannt.

Der griechische Mathematiker, Aristoteliker und Bischof Anatolius von Alexandria benutzte 260 als erster einen 19-jährigen Mondzyklus um den Osterdatum zu berechnen. Christus war mit Vollmond, am 14. Nisan, etwa in der Mitte des ersten Monats des Jahres, gestorben und die Auferstehung hat nach dem Sabat, am ersten Morgen der neuen Woche bei abnehmenden Mond stattgefunden. Ausgehend von einem integrierten Mond-Sonne Rhythmus berechnete er den Ostersonntag. Bei der Bestimmung des jährlichen Oster-Termins hat die 19-Jahre-Periode, eine Entdeckung aus Zweistromland, eine wesentliche Rolle.

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