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Sandro Botticelli, ca. 1485: „Venus, dem Meer entsteigend“,
ab dem 19. Jahrhundert bezeichnet als „Die Geburt der Venus“.
Das Bild befindet sich in den Uffizien in Florenz.
ullstein bild - Imagno

Venus entsteigt dem Wasser


Der Anblick des Abendhimmels verändert sich im November auf fesselnde Weise. Anfang November dominiert noch Jupiter den südlichen Himmel, wie in den vergangenen Monaten. Nun, nachdem die helle Venus endlich dicht über dem Horizont aus den Dunstschleiern zum Vorschein gekommen ist, wird ihr Wechselspiel zum Blickfang. Jupiter und Venus nähern sich einander an, und je näher sie sich stehen, desto schöner ist das Geschehen!

Das Planetenpaar steht nach Sonnenuntergang am südwestlichen Himmel. Zu dieser Zeit sind viele Menschen unterwegs, und auch Bahnreisende können den Gang der zwei hellsten Planeten gut verfolgen. Ihr Zusammenspiel findet in dem Teil des Himmels statt, wo sich die schönsten Farbschattierungen zeigen, links des Ortes, wo die Sonne untergegangen ist.

Anfang November eilt die Mondsichel an Venus und Jupiter vorbei, sie ist der „Himmelsführer“. Am 1. November steht die Venus rechts oberhalb von ihr. Jupiter steht weiter links und noch höher (drei Handbreit Abstand bei gestrecktem Arm). Venus und die Sichel sind nur in der Abenddämmerung sichtbar, sie gehen etwa eineinhalb Stunden nach der Sonne unter (die Venus um 18.27 Uhr). Das Licht Jupiters nimmt am dunkler werdenden Himmel dann einen immer stärkeren Glanz an. Am 1. November geht er fast vier Stunden nach der Sonne im Südwesten unter (20.51 Uhr). Am nächsten Abend steht die Sichel zwischen Venus und Jupiter. Der Mond hat die Venus hinter sich gelassen, er kehrt ihr gewissermaßen den Rücken zu. Am 3. November steht der Mond abends rechts unterhalb des Jupiters.

Jupiter setzt den Kurs der zurückliegenden Monate fort: er geht immer früher unter und nähert sich der Sonne in großen Schritten. Dagegen geht die Venus immer später unter, sie entfernt sich von der Sonne. Mitte November hat sich der Abstand zwischen Venus und Jupiter halbiert, und am 30. November steht die Venus bereits links von Jupiter! Das Planetenpaar bleibt nach Sonnenuntergang drei Stunden am Himmel sichtbar, und es kann sogar am funkelnden Sternenhimmel bewundert werden.

Beobachten wir es immer zum selben Zeitpunkt, bemerken wir, dass Venus im November allmählich höher steht, ihr Glanz nimmt zu. Jupiter dagegen steht allmählich tiefer, sein Glanz nimmt ab. Ende November ändert sich die Bewegungsrichtung der Venus, sie steht jetzt von Woche zu Woche um einiges höher.

Das Wiedersichtbarwerden der Venus ließ dieses Mal lange auf sich warten. Am 9. Juni zog sie an der Sonne vorbei und wurde vom Morgen- zum Abendplaneten. Bis vor Kurzem war sie kaum sichtbar. Sie stand immer sehr tief, Nebelschleier verdeckten sie. Manchmal glänzte sie für Momente zwischen den dünneren und dickeren Nebelschichten auf, dann war es auch schon wieder vorbei. Als ob im Meer etwas Glänzendes an die Oberfläche driftet und dann wieder in den Wellen untergeht. Der Planet Venus hieß bei den Griechen Aphrodite. Das Wort ist eine Verschmelzung der Worte Aphros (Schaum) und duomai (auftauchen).

Sie wurde auch Aphrogenes (die Schaumgeborene) oder Anadyomene (aus dem Meer aufsteigend) genannt, wie auch Euploia (Gute Fahrt) und Nikephoros (die Siegbringende). Die Römer übernahmen den letzteren Namen: Venus Victrix.

Auf der Insel Zypern wurde das Bild der Aphrodite jährlich von den Frauen im Meer gebadet und danach mit Blumen bedeckt. In Rom reinigten die Priesterinnen die Kultstatue der Venus, auch sie wurde mit Rosen geschmückt. Die Venus steigt im November nach einer monatelangen „Reinigung“ in eindrucksvoller Weise aus den Wassern empor, sie wird im Dezember „wie eine Rose aufblühen“.

Teilweise aus: a tempo 11/2008

Deze tekst is geschreven voor a tempo, November 2008.

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