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Der Fischschwanz des Steinbocks

Das ruhig glänzende Licht des hellen Jupiters und die lichtschwachen Sterne des Steinbocks erscheinen abends am südöstlichen Himmel. Anfang dieses Monats gehen sie kurz vor Mitternacht am dunklen Abendhimmel auf. Ende Juli stehen sie bereits während der Dämmerung über dem Horizont. Sie steigen nur wenig, Jupiter im Süden kommt nicht höher als die Sonne Mitte Februar.

Sie befinden sich in jenem tiefliegenden und lichtschwachen Gebiet des Himmels, das den Namen «wässrige Region» erhalten hat. Der Steinbock und seine benachbarten Bilder Wassermann, Delphin, südlicher Fisch und Walfisch umfassen nur «wässrige» Sterne. Jupiter ist das einsame Licht in diesem dunklen Himmelsgebiet.

Der Fischschwanz des Steinbocks ruft Fragen hervor. Der lateinische Name dieses Tiers ist Capricornus, eine Übersetzung des griechischen Wortes Aigo-keros, «Ziegenhorn».

Im griechischen Mythos über den Hirtengott Pan, der Hörner und Bocksbeine besitzt, findet sich allerdings kein Hinweis auf einen Fischschwanz. Der babylonische Vorläufer des griechischen Ziegenhorns war der Ziegenfisch.

Der Gott Ea und die große Muttergöttin hatten aus Lehm den Menschen geschaffen. Der weise Mann lehrte ihn Handwerke und Künste und stand ihm bei seinen Problemen zur Seite. Die Behausung des Gottes lag im Welten-Wasser, einem riesigen Ozean unter der Erdoberfläche, aus dem alle Quellen und Flüsse gespeist wurden.

Ea wurde mit zwei Strömen abgebildet, die aus seinen Oberarmen hervorgingen. Die Fische schwammen in Richtung seiner Schultern. Ea herrschte sowohl über die tiefsten Gewässer als auch über die höchsten Berge. Sein Haustier war ein Ziegenfisch, ein Ziegenbock mit einem Fischschwanz, der den Namen SUHUR.MAS trug («Suhur» bedeutet Ziege, «Mas» ist ein Fisch).

Der Ziegenfisch konnte überall sein, wo Ea herrschte.

Die Babylonier vergaben um circa 1600 v. Chr. den Sternnamen GU.LA, den «Wassermann». Dieser Gott wurde mit zwei Krügen abgebildet, aus denen Wasser strömte. GU.LA gehört zur ältesten Gruppen von 36 Sternnamen. SUHUR.MAS dagegen war damals noch kein Name, der zu einem Stern gehörte. Als fast 1000 Jahre später der Sternhimmel beschrieben wurde, stand GU.LA auf vielen Stern-Listen, während (so weit ich es überschauen kann) SUHUR.MAS nur auf einer einzigen Liste auftauchte. Er war einer der 17 Sternnamen auf der Liste der «Götter, die im Wege des Mondes stehen und durch deren Bereich der Mond allmählich zieht und sie berührt».

Der Ziegenfisch geht vor dem Wassermann auf. Das Sternpaar, das die Hörner markiert, wird viel früher sichtbar als das im Fischschwanz. Beide Sternpaare stehen überraschend weit auseinander. Trotzdem bilden sie gemeinsam einen Sternbild, den Ziegen-fisch.

Teilweise aus: a tempo 7/2009

Der funkelnde Fomalhaut


Das helle, ruhig glänzende Licht, tief am dunklen Himmel, ist Jupiter. Man kann ihn gar nicht verfehlen. Er beschreibt in diesem Jahr alle 24 Stunden einen so kurzen Himmelsbogen wie die Sonne im Februar und prangt im Monat August ganz die Nacht über am Himmel. Zu Beginn des Abends gibt es in seiner unmittelbaren Nähe keinen anderen hellen Lichtpunkt.

Später am Abend erscheint links unterhalb Jupiter, unter dem Wassermann tief im Süden, ein funkelnder Stern. Bei den Babyloniern hieß er KUA, Fisch.
Der griechische Dichter Aratos benannte in seinem Gedicht über die Sternbilder (Phainomena, 270 v. Chr.) diesen Stern als den »Südlichen Fisch«.
Bei Ptolemäus (150 n. Chr.) hatte er eine Doppelrolle: »der Letzte im Wasser« (d.h., das Wasser, das aus dem Krug des Wassermanns strömt) und »das Maul des Südlichen Fisches«.
Arabische Astronomen studierten die griechischen Texte und gaben ihm den Namen Fomalhaut. Dies ist die Abkürzung von »fam al-hut al-janubi«, den arabischen Begriff für »das Maul des Südlichen Fisches«.

Bis ins 15. Jahrhundert gab es keine Karten mit Sternen, die in Bildern gruppiert waren. Erst nach dem Mittelalter wurden Sternenkarten entworfen und gedruckt. Die exakte Position und Helligkeit der Sterne wie auch die Weise, wie die klassischen Gestalten in diesen Karten dargestellt wurden, erlangte zunehmende Aufmerksamkeit. Der "Südliche Fisch" war ein großer Fisch, der das Wasser, das aus dem Krug strömte, aufschrüft, und Fomalhaut markierte dessen geöffnetes Maul. Man hat sich also an Ptolemäus orientiert..

Im Falle des Wassermannes fiel die Wahl auf die Gestalt eines jungen Mannes mit lockigem Haar. Er hielt mit seiner einen Hand den Krug fest und mit der anderen eine Art Halstuch beziehungsweise ein Kleidungsstück, das um seine Mitte herumdrapiert war. Die Arme und Beine blieben unbedeckt, die Knie waren gebogen. Der schöne Jüngling Ganymedes war abgebildet. Der höchste Gott, Zeus, hatte ihn zu seinem Mundschenk auserkoren, und auch den anderen Göttern bot er Getränke an.

Auffallend ist, dass bei Ptolemäus der Wassermann noch nicht mit dem Mythos von Ganymedes verbunden war. Wo am babylonischen Himmel der Gott mit seinen beiden Krügen, aus denen die Flüsse Euphrat und Tigris strömten, dem Gott Gula, stand, befand sich zwei Jahrtausende später ein Mundschenk.

In südlicheren Ländern steigen Jupiter und die Sterne steiler empor. Mitten in der Nacht stehen Jupiter und Fomalhaut höher am südlichen Himmel, Jupiter intensiv glänzend und Fomalhaut funkelnd. Der Stern sieht dicht über dem Horizont häufig orange oder rot aus, steht er höher am Himmel, ist er hellblau.
Wenn der Nachthimmel sehr klar ist, kann man etwas Überraschendes sehen: Im Gebiet zwischen den Sternen, die den Krug markieren, und Fomalhaut zwinkern besonders viele feine Sternchen, als ob dort ein Fluss strömte. Der Südliche Fisch trinkt mit großen Zügen!

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts entstand unter den Astronomen das Bedürfnis, die Größe der Sternbilder festzulegen. Im Jahr 1925 erhielt der belgische Astronom Eugène Delporte von der Internationalen Astronomischen Union den Auftrag, die exakten Grenzen der Sternbilder festzulegen. Er sollte die Tradition der Sternbilder und den Weg der Sonne entlang der Sterne des Tierkreises mit einbeziehen. So entstand für den Wassermann das heutige Vieleck (siehe Abbildung).

Planeten und helle Sterne sind Naturphänomene, die Sternbilder sind gewissermaßen Geschenke aus der babylonischen, griechischen und arabischen Kultur. Dank ihrer können wir sagen: »Oberhalb des Jupiters stehen die Schultern des Wassermanns, dicht unter ihm stehen die beiden Sterne, die den Fischschwanz des Steinbocks (siehe a tempo Juli 2009) markieren.«

Deze tekst is geschreven voor a tempo, augustus 2009.

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Literatur: B.L. van der Waerden: Erwachende Wissenschaft, Bd. II. Birkhäuser Verlag Basel, 1980

Blz. 96:

Links de Steenbok en de Waterman op een Babylonische grenssteen, rechts op de Egyptische tempel in Dendera uit de Romeinse tijd (50 v. Chr.). Het Babylonische beeld heeft een Egyptische stijl gekregen.

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