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Unter dem großen, leeren Viereck des Pegasus stehen der westliche Fisch und das jetzige kleine Himmelsgebiet des Jupiter. Die lichtschwachen Sterne der Fische sind zweimal vergrößert und mit einer Farbe markiert: Der westliche Fisch und sein Lichtfaden sind gelb, der nördliche rot. Der orangefarbene Pfeil zeigt wo die beiden Lichtfäden miteinander verwoben sind.

Die Fische – zwei Lichtfäden kommen zusammen

Das bei Weitem hellste Licht am funkelnden Sternhimmel ist Jupiter. Über dem Planeten stehen vier Sterne, die ein dunkles Himmelsgebiet begrenzen: das große, leere Viereck des Pegasus. Diese Gruppe ist im Herbst am Abend gut sichtbar und trägt den Beinamen «Herbstviereck».

Jupiter befindet sich jetzt (April 2010 bis März 2011) im weitläufigen Sternbild der Fische beim westlichen Fisch, einem Grüppchen lichtschwacher Sterne (auf der Karte gelb markiert). Dank des deutlichen Herbstvierecks lässt sich seine Position zwischen den Sternen gut verfolgen. Die zwei weißen Kreise auf der Karte begrenzen das kleine Gebiet, in dem sich Jupiter hin und her bewegt. Wie groß das Sternbild der Fische doch ist!

Die Mythen über die Fische handeln von einem drachenartigen Ungeheuer, das die Fruchtbarkeitsgöttin bedroht. Sie stürzt sich in die Meeresfluten und wird gerettet. Die syrische Göttin war eine Frau mit einem Fischschwanz, in der griechischen Mythe ist sie Aphrodite. Sie und ihr kleiner Sohn, Eros, wurden von den Fischen ans andere Ufer getragen. In einer anderen griechischen Mythe verwandelten die beiden sich in Fische, die durch ein Seil miteinander verbunden waren.

Der älteste überlieferte Text über das Sternbild der Fische stammt von dem Griechen Aratos (270 v.Chr.). In seinem Lehrgedicht Phainomena sind einige Sätze dem Ichthys (Fischen) geweiht: Die langen Bänder an jedem der beiden Fischschwänze vereinen sich zu einer gemeinsamen Linie. Ein schöner und großer Stern besetzt diese Stelle.

Der griechische Astronom Hipparch sprach ein Jahrhundert später von dem «syndesmos ton ichthyon» (das Zusammenkommen der Fische) und auch vom «syndesmos ton linon» (das Zusammenkommen der gesponnenen Flachsfäden).

Das griechische Wort syndesmos bringt das Zusammenkommen (syn-) des einen Bandes (-desmos) mit dem anderen zum Ausdruck. Die lateinische Übersetzung lautet nodus, Knoten.
Auf den gedruckten Himmelskarten (ab 1515) finden wir häufig an der Stelle des tiefsten Sterns der Fische (auf unserer Abbildung orangefarben) einen großen Knoten oder eine Schleife eingezeichnet. Auch dieser Stern ist lichtschwach. In dem Gebiet, wo die beiden zarten Lichtfäden miteinander zu einer einzigen Schnur versponnen werden, kann jedoch manchmal ein schöner und großer Planet bewundert werden!

Die Babylonier nannten das Gebiet unseres Herbstvierecks IKU, das Ackerfeld. Zu Frühlingsbeginn waren seine vier Sterne in der Morgendämmerung sichtbar (d.h. ungefähr um 1000 v.Chr.). Das Sternbild Simmah, die Schwalbe, war bereits früher aufgegangen. Die Schwalbe bedeckte ein größeres Gebiet als der westliche Fisch. Die Sterne rechts oberhalb des gelb markierten Fisches gehörten ebenfalls zur Schwalbe. Diese Sterne des Vogels gehen bereits vor IKU auf.

Anunitu, eine Himmelsgöttin mit einem Fischschwanz, wurde nach IKU sichtbar. Anunitu bedeckte das gesamte Gebiet links von IKU und außerdem das Gebiet oberhalb des «roten Fisches». Auch die Schwalbe und die Himmelsgöttin waren durch Fäden miteinander verbunden!

Unsere Abbildung zeigt die Position der beiden Fäden beim Aufgang. Wie schön fließen die Bänder der Schwalbe und der Himmelsgöttin ineinander. Wenn hier der Morgenplanet Dilbat (Venus) in seinem größten Glanz prang, bietet der Osthimmel einen wunderbaren Anblick.

Auf unserer Karte haben wir in diesem Gebiet über dem Knotenstern einen kleinen Kreis eingezeichnet. An einem Tag im Jahr befindet sich die Sonne hier. Vor 2000 Jahren war dies am Frühlingsbeginn der Fall. Die aktuelle Position der Sonne am 21. März ist beim westlichen Fisch.

Jupiter befindet sich nun nahezu dem Frühlingspunkt der Sonne. Seine dunkle Periode ist vorbei, die helle Periode beginnt.

Aus: a tempo 10/2010

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