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Der Widder lässt sich an den beiden Hörnsternen erkennen.

Der Widder blickt rückwärts

Der Widder ist ein Tierkreisbild, welches wenig auffällt. An den beiden Sternen, die die Hörner markieren, lässt sich sein Ort am Himmel erkennen. Viele Sternbilder-Namen haben einen babylonischen Ursprung. In dem Gebiet des Himmels, wo wir den Widder erblicken, sehen die Babylonier jedoch keinen Widder, sondern LU.HUN.GA „den Stern, der hinter dem Stern IKU steht“.

Das Himmelsgebiet, welches die Babylonier IKU (Feld) nannten, heißt heute „Das leere Quadrat von Pegasus“. Vier Sterne markieren ein großes, dunkles Gebiet. Auch in ihrer Nähe gibt es wenig Licht. Im Dezember wird das Quadrant gegen Ende der Abenddämmerung hoch am südlichen Himmel sichtbar. Es sinkt im Laufe des Abends in Richtung Nordwesten. Vom 22.-24. Dezember zieht der zunehmende Mond in beträchtlichem Abstand unterhalb des dunklen Feldes vorbei. LU.HUN.GA steht „hinter dem Feld“, bzw. er geht später auf. Einige Tage danach, am 26. und 27. Dezember, passiert der fast volle Mond LU.HUN.GA unterhalb.

Das babylonische Wort LU.HUN.GA bedeutet nicht Widder sondern Lohnarbeiter. Der Neujahrstag fiel damals nicht in den Winter, sondern in den Anfang des Frühlings. Um etwa 1600 bis 1100 vor Christus wurde am Anfang des neuen Jahres der Lohnarbeiter wieder sichtbar (vor Sonnenaufgang am östlichen Himmel). Der Name „Widder“ stammt von den Ägyptern.


Die Ägypter kannten 72 Erscheinungsformen der Sonne. Die Nachtgestalt der Sonne war eine Menschengestalt mit Widderkopf. Diese Nachtsonne hieß Ba oder Seele. Die Ägypter erlebten die Sterne als die Seelen ihrer Vorfahren. Alle Sterne werden auch Ba genannt. Dieser war ein anderer Ba: In der Hieroglyphenschrift ist er kein Widder, sondern ein fünfstrahliger Stern. Im Tempel von Dendera, der aus der römischen Zeit stammt, hat das Tierkreisbild des Widders auf einer Darstellung den Kopf auf der rechten Seite, auf einer anderen Darstellung ist er links. Doch immer blickt er rückwärts! Ein wesentliches Merkmal des Widders sind seine Hörner. Hörner sind der Substanz nach verhärtete, verhornte Haut. Sie wachsen mit dem Schädel mit und sind gewunden. Jahr für Jahr kommen neue Hornschichten dazu, und die Innenhöhlung wird größer. Zu der nach innen gewendelten Form der Widderhörner gehört gewissermaßen ein nach innen gekehrter Blick nach rückwärts.


Die Griechen haben von den Babyloniern die Himmelskunde übernommen. Der Widder der griechischen Mythologie hat ein besonderes Merkmal: ein goldenes Fell (Vlies).
Die Kinder des Königs Athamas und der Wolkengöttin Nephele, ein Knabe und ein Mädchen, Phrixos und Helle, waren durch gemeine Listen ihrer Stiefmutter dazu verurteilt worden, auf dem Opferaltar zu sterben. Als ihr Vater das Schlachtmesser erhob, näherte sich ein großer, geflügelter Widder, dessen Fell aus reinem Gold bestand. Er hatte von der Wolkenmutter den Auftrag empfangen, die beiden Kinder in ein fernes Land zu bringen.Unterwegs, über der schmalen Meerenge, die Europa von Asien trennt, blickte Helle (griechisch für „Licht“) hinab; es schwindelte ihr und sie fiel ins Wasser, seitdem heißt diese Meerenge der Hellespont ("Brücke der Helle"). Der Knabe Phrixos (griechisch für „Regen“) wurde in Kleinasien gastlich aufgenommen von König Aietes.Phrixos opferte den geflügelten Widder aus Dankbarkeit für seine Rettung dem Zeus (Jupiter). Doch bevor dies geschah, schüttelte der Widder sein goldenes Vlies ab. Dies wurde in einem Eichenhain aufgehängt, der dem Ares (Mars) geweiht war. Ein Drache, der niemals schlief, bewachte das goldene Vlies. Später brachten die Argonauten es nach Griechenland.
Zeus verlieh dem Widder einen Platz unter den Sternen. Die Sterne des Widders haben wenig Licht – das Tier hat ja sein goldenes Fell auf der Erde zurückgelassen.

a tempo 12/2001

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