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Der Jungfrau wurde von John Bevis (etwa 1750) gezeichnet.
Michael Oates (Manchester Astronomical Society) hat eine CD-Rom Ausgabe dieses Celeste Atlas hergestellt.

Wann befindet der Mond sich in der Jungfrau?

Die Sterne erscheinen erst spät am Abend. Der Tierkreis steht in einer niedrigen Stellung, und nur drei Sterne geben viel Licht. Tief am südlichen Himmel steht der rötliche Antares, der hellste Stern des Skorpions, im Südwesten scheint die blaufarbene Spica, der hellste Stern der Jungfrau. Spica ist der lateinische Name der Kornähre; sie ist der einzige Stern, der nach einer Pflanze benannt ist. Regulus, der bläuliche Bruststern des Löwen steht tief im Westen.

Die Abendsichel steht am 12.7. rechts von Regulus und am 13.7. links oberhalb von ihm. Drei Tage später (16.7.) steht der zunehmende Mond rechts oberhalb Spica und nähert sich ihm im Laufe des Abends. Der Mond benötigt danach drei Tage, um von Spica zu Antares zu wandern. Der bucklige Mond steht am 19.7. rechts oberhalb Antares und am 20.7. links oberhalb.

Die Frage, wann der Mond in den Sternbildern Löwe, Jungfrau und Skorpion steht, lässt sich nicht leicht beantworten. Eine Option wäre, dass der Mond sich im Sternbild der Jungfrau befindet, wenn er zwischen den Sternen steht, die die Gestalt der Jungfrau markieren. Aber wo beginnt der Kopf der Jungfrau und wo sind ihre Füße?
Seit 1928 gibt es eine feste Definition des Gebietes des Sternbildes: die Internationale Astronomische Union verteilt die Himmelskuppel mit Hilfe eines gleichmäßigen Liniennetzes in 88 Sektoren ein. Die 48 klassischen Sternbilder und die 40 Sternbilder der Neuzeit werden mit Hilfe dieser von Norden nach Süden und Osten nach Westen verlaufenden Linien mathematisch exakt definiert.

Der griechische astronom Claudius Ptolomäus und seine Zeitgenossen fühlten sich frei, die Stelle eines Sternes innerhalb der Gestalt selbst auszuwählen:
„Was ferner die eigentümlichen Beziehungen der einzelnen Sterne zu der dargestellten Gestalt an sich betrifft, so haben wir uns nicht durchweg an die Bezeichnungen gehalten, deren sich unsere Vorgänger bedient haben, ebenso wenig wie diese ihren ehemaligen Vorgängern gefolgt sind, sondern wir haben vielmehr andere Benennungen eingeführt, je nach dem es die geeignetere Kennzeichnung und gefälligere Abrundung der Umrisslinien forderte. So versetzen wir z.B. die Sterne, die Hipparch in die „Schultern“ der Jungfrau setzt, in die „Seiten“ derselben.“ (Almagest lib. VII cp. IV, 140 n.Chr.).

Auch die Grenzen zwischen den beiden Sternbildern waren nicht so stark festgelegt wie heute. Die Babylonier nannten nicht nur den bläulichen Stern Spica, sondern ungefähr das gesamte Gebiet, in dem sich nun die Jungfrau befindet, hieß „Kornähre“.

Bild aus: B.L. van der Waerden: Erwachende Wissenschaft, Bd. II. Birkhäuser Verlag Basel, 1980, bei S 96


Ptolemäus benannte wie schon seine babylonischen Vorläufer die Sterne, die heute die Waage markieren, sowohl als „Waage“ wie auch als „Chelae“ (Scheren).
Die Scheren des Skorpions erstreckten sich damals um ein beträchtliches weiter als seit 1928.
Die heutige Benennung der zwei Waagesterne Kiffa Borealis (nördliche Waagschale) und Kiffa Australis (südliche Waagschale), die lichtschwachen Sterne zwischen Spica und Antares, weisen heute noch auf ihre Vergangenheit als Bestandteile des Skorpions hin.

Tabellen über den Mond im Tierkreis zeigen starke Unterschiede. Die eine Tabelle wurde berechnet unter Zugrundelegung der Einteilung von 1928; andere benutzen für die 12 Tierkreisbilder ihre eigenen Grenzziehungen, wodurch der Mondmanchmal bis zu einigen Tagen später in dem jeweiligen Gebiet eintrifft. Außerdem hat die Art, wie der Lauf des Mondes berechnet wird – man muss eine Auswahl aus zwei Achsensystemen treffen –, Einfluss auf die Stunde, in welcher der Mond ein Gebiet betritt.

Die Babylonier schauten nicht auf den Tag, an dem die Sonne oder der Mond ein bestimmtes Himmelsgebiet betraten, sondern auf den Tag, an welchem der Mond mit einem Stern, d.h. mit einem Gott, zusammen aufging.

a tempo 7/2002

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