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Der Schwan, nach Überlieferung der Antike durch Werner Perrey neu gezeichnet
(aus: Werner Perrey, Sternbilder und ihre Legenden, Verlag Urachhaus).
Näheres über die mythologischen Überlieferungen im Zusammenhang mit -den Sternbildern sind in diesem Buch gesammelt.

Die mächtigen Flügelschläge des Schwans

Der Schwan ist ein großes Sternbild, das vor allem an dunklen Sommerabenden (in südlichen Gebieten) eindrucksvoll ist. Charakteristisch für ihn sind die weit ausgebreiteten Flügel. Im Juni befindet sich das Bild abends am nordöstlichen Himmel. Dort hat es seine schönste Position: der Schwan fliegt mit mächtigen Flügelschlägen in Richtung Süden.

Der hellste Stern heißt Deneb, sein Name stammt vom arabischen Al Dhanab und bedeutet Schwanz. Nach Sonnenuntergang, wenn der östliche Himmel dunkelblau wird, erscheint zunächst Wega (der hellste Stern der Leier). Kurze Zeit später wird links unterhalb der bläulichen Wega der weiße Deneb sichtbar, (rechts) unterhalb der Wega, beträchtlich tiefer als Deneb, leuchtet der gelblich-weiße Atair (Adler) auf. Diese drei Sterne bilden das sogenannte Sommerdreieck (Deneb, Wega und Atair formen einen rechten Winkel). Deneb und Wega gehören zu der Sterngruppe, die in Nord- und Mitteldeutschland immer über dem Horizont stehen, den sogenannten Zirkumpolarsternen. Im Laufe von 24 Stunden stehen sie sowohl ganz hoch am Himmel, wie auch tief über dem nördlichen Horizont.
Wenn sich die unzähligen schwachen Sterne der Milchstraße zeigen, gibt es noch eine Orientierungshilfe: Der Schwan befindet sich im sternenreichsten Teil der nördlichen Milchstraße.

Die Sternengruppe, welche die Flügel markiert, ist weniger auffallend, doch an einem klaren Himmel leicht zu finden. Sie umspannen ein relativ leeres Gebiet und überdies haben die beiden Flügel ungefähr dieselbe Größe und Form. An der Vorderseite der Flügel sind die Sterne hell, an der östlichen beträchtlich schwächer (auf der Abbildung werden die schwächsten Sterne nicht wiedergegeben). Wenn Sie entdeckt haben, wo Deneb und die beiden Flügel sich befinden, ist auch der gestreckte Hals mit dem Kopfstern Albireo (zwischen Wega und Atair) leicht zu erkennen.

In der griechischen Mythologie ist der Schwan ein der Antlitze des Zeus. Der Hauptgott war erzürnt über die hochmütig gewordenen Helden. Er beschloss, sie durch einen Krieg zu vernichten. Eine wunderschöne Frau sollte den Auslöser des Krieges bilden.
Nemesis, die Göttin der Vergeltung, wohnte bei ihrer Mutter, der Göttin der Nacht. Als Nemesis entdeckte, dass Zeus ein Auge auf sie geworfen hatte, verwandelte sie sich in eine Wildgans. Mit grauen Flügeln flog sie zum Ende der Welt. Zeus bemerkte, dass sich die Göttin der Vergeltung versteckte, verwandelte sich in einen Schwan und holte Nemesis mit mächtigen Flügelschlägen ein. Das Ei, das die Wildgans legte, musste sie Leda, einer schwangeren Königin, bringen. Als Leda die Zwillinge Klytämnestra und Kastor gebar, zersprang das hyazinthfarbene Ei, in welchem zwei Götterkinder lagen: Helena und Pollux. Leda zog auch diese Zwillinge auf, zusammen mit ihren eigenen Kindern.
Der Göttersohn Pollux und der Königsohn Kastor wurden unzertrennliche Freunde. Um die schöne Helena entbrannte der Trojanische Krieg. So geschah Zeus' Wille, dass eine Frau zum Auslöser eines Krieges wurde, in welchem die hochmütig gewordenen Helden ihr Leben verloren.


Im Juni hat der Schwan in den Abendstunden seine imponierendste Stellung: Zeus fliegt auf Nemesis zu. Die Zwillinge sind in diesem Monat nicht zu sehen. Sie stehen tagsüber am Himmel, nahe bei der Sonne – sie müssen erst noch geboren werden ...

a tempo 6/2003

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