Ein sehr frühes Osterfest

 

Sehr früh im Frühling, am Sonntag 23. März 2008, wird in den westlichen Ländern Ostern gefeiert. Ihr Ostersonntag ist diesmal fünf Wochen früher, als der der orthodoxen Christen, am 27. April. Meistens ist das Auferstehungsfest am gleichen Tag oder die Ostkirche feiert Ostern nur eine Woche später.

Die östlichen orthodoxen Kirchen benutzen eine grobe Berechnungsmethode aus dem sechsten Jahrhundert. Ihr Auferstehungsfest soll nie vor dem jüdischen Pessachfest stattfinden, das am Abend des ersten Frühlingsvollmonds anfängt. Ihr Frühlingsanfang findet jedoch erst am 7. oder 8. April statt. Der Vollmond am 20. April ist in diesem Jahr der jüdische Frühlingsvollmond, die orthodoxen Christen feiern Ostern am darauffolgenden Sonntag.

Die Katholiken und die Protestanten einigten sich 1775, wie man die kosmischen Ereignisse berechnet. Ihr Osterfest ist an dem Sonntag, der dem ersten Vollmond auf oder ab 21. März folgt (Ostern kann schon am 22. März stattfinden.) Für das Bestimmen des ersten Frühlingsvollmondes wird ein kompliziertes zyklisches Berechnungssystem benützt. Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) hatte gewarnt, dass eine astronomisch noch präzisere Osterbestimmung neue Diskussionen hervorrufen wird. Die astronomische Genauigkeit solle man nicht auf die Spitze treiben, "Ostern ist ein Fest, kein Planet".

Das letzte so frühe Ostern war am 23. März 1913. Rudolf Steiner stellte dar, wie besonders ein solches Jahr ist, in dem auf beide kosmischen Ereignisse, den ersten Frühlingstag und den Vollmond, unmittelbar der Tag der Auferstehung folgt. Die Sonne habe mit jedem neuen Frühling schwächere Kräfte. Der Vollmond nähme so viel von der Kraft des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme, wie er von diesem Sonnenlicht zur Erde zurückstrahle. Steiner stellte die Frage, wie lange die Sonnenkräfte noch in der Lage sein würden, die erstarrenden Winterkräfte zu überwinden. Bietet die ersterbende Erde dem Menschen noch die Möglichkeit, aus sich heraus die Fähigkeiten zu entwickeln, die in seinen Anlagen begründet sind? Oder werden die Winterkräfte so stark, dass die Erde in Erstarrung übergeht, bevor die Menschenseele ihre Erdenmission erfüllt hat? Wenn die beiden Tage, die aus dem Kosmos bestimmt sind, Frühlingsanfang und Vollmond, so nahe aneinander rücken, kann man das als ein gewaltiges kosmisches Fragezeichen  empfinden: wie finden die Menschen den Weg aus der ersterbenden Erde hinaus?

Als Christus am Kreuz starb, verband sein Geist sich mit der Erde und schuf eine Gegenkraft gegen alles das, was der Mond an Kräften der Sonne wegnimmt. Am Ostersonntag überwindet das Leben den Tod. Ostersonntag als der dritte Tag nach Frühlingsanfang und Vollmond,  die moralisch-geistige Sonne am dritten Morgen, ist wie die Antwort auf die große kosmische Frage! (GA 145, der Vortrag “Frühlingsanfang, Ostermond und Ostersonntag” von 23.3.1913 steht auch in GA 150) .