
Die Himmelsscheibe von Nebra (Durchmesser 32 cm).
Ursprünglich waren nur die Mondsichel, die 32 goldenen Punkte und die große
goldene Scheibe (Venus?) abgebildet.
Die Ausstellung «Der geschmiedete Himmel» reist durch Europa,
ab Oktober 2007 ist sie in Barcelona und ab Mai 2008 wieder in Halle, bei Nebra.
Foto: J. Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.
Dieser Text schliesst den Text für
a tempo April 2007 an.
Die Sichtweise, dass die große Scheibe links der Mitte den vollen Mond darstelle, scheint mir aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Der Vollmond lässt die Plejaden so stark verblassen, dass sie kaum mehr zu erkennen sind.
Auf der Nebra-Scheibe ist eine Mondsichel exakt dargestellt. Der äußere Rand sieht aus wie ein Halbkreis, der innere wie eine halbe Ellipse! Genau wie am Himmel! Eine so genaue Wiedergabe eines Himmelsphänomens ist bemerkenswert. Diese Mondsichel hat ungefähr 45° Abstand zur Sonne.
Die goldenen Punkte sind alle gleich groß. Dagegen gibt es am Himmel hellere und schwächere Sterne. Die meisten Punkte stehen ungefähr gleich weit voneinander und dem Rand entfernt (wenn man die späteren Hinzufügungen entlang des Randes und die Verschiebungen wegdenkt). Die sieben Punkte zwischen der Sichel und der goldenen Scheibe bilden im Kontrast dazu ein eigenes Grüppchen. Sie werden für das Grüppchen lichtschwächerer Sterne, für die Plejaden gehalten, das einem zarten funkelnden Diamanten ähnelt, mit dem Hauptstern Alcyone. Auch Menschen ohne Erfahrung können die Plejaden am Himmel wiederfinden. Das so-nahe-beieinander-Stehen von mehreren Sterne macht sie zu einer einzigartigen und leicht einzuprägenden ''Konstellation".
Die Plejaden befinden sich im Stier etwa 4 Grad oberhalb der Ekliptik. Der Stier durchlief damals täglich einen kleineren und tieferen Himmelsbogen von Ost nach West, wie in unserem Jahrtausend. Der Frühlingspunkt trat 1840 v. Chr. ins Sternbild Widder (siehe z.B. "Astrowissen" von H-U Keller, Kosmos, Stuttgart, S. 40). Die Auf- und Untergangsstelle der Plejaden lag um 1700 v. Chr. nur etwas nördlich vom Ost- und Westpunkt. Zwischen 1725 und 1625 v. Chr. waren sie jedes Jahr Anfang März nach Sonnenuntergang am westlichen Himmel gut sichtbar. Ihr auffälliges Sinken oberhalb des westlichen Horizontes früh am Abend Anfang März war vielleicht für den Menschen ein Zeichen des Beginnes des bäuerlichen Jahres.
Eine zunehmende Mondsichel recht nah an dem sog. «Siebengestirn» ist an einem dunklen Abendhimmel ein schönes Bild. Alle 27 Tage eilt der Mond
unterhalb der Plejaden vorbei. Eine ähnliche oder etwas schmalere Abendsichel
(30° Abstand zur Sonne) stand damals (zwischen 1725 und 1625 v. Chr.) etwa
zwischen 27. Februar und 14. März bei den Plejaden. Also, etwa drei
Wochen bis eine
Woche vor Frühlingsanfang fand die Konjunktion einer solchen Abendsichel mit
Alcyone, dem hellsten Stern der Plejaden, statt.
Diese Berechnungen sind mit Skymap Pro10 (www.skymap.com) gemacht nach heutigen
Kalender-Datums-Bezeichnungen und kontrolliert mit den graphischen Bildern von
Guide 8 (www.projectpluto.com).
Die Ekliptik hat jedes Jahr Anfang März bei Sonnenuntergang eine schräge, hohe Stellung. Die Plejaden und der zunehmende Mond (drei oder vier Tage nach Neumond) waren damals früh am Abend recht gut sichtbar. Zu jener Zeit gab es ja nicht so viel Licht- und Luftverschmutzung, so dass das Grüppchen der lichtschwächeren Sterne viel besser zu sehen war als in unserer industrialisierten Kultur. Da die Abendsichel Ende des Winters aussieht wie Kuhhörner (Standort Nebra), muss man, um ein naturgetreues Bild zu erhalten, die Himmelsscheibe drehen.
Der Mond hat viele Rhythmen, seine Bewegungen lassen sich nicht leicht
überschauen. Ein Beispiel: am 2.4.2007, gibt es den Oster-Vollmond. Im
nächsten Jahr ist der Vollmond 11 Tage früher, am 21. März 2008. Dann ist die Sonne etwa 11 Grad weniger fortgeschritten auf ihrem Weg in das
Sternbild Fische als am 2. April. Der Vollmond wird also am 21.3.2008 in der Jungfrau
näher beim Löwen stehen (ekliptikale Länge 182 Grad) als der Vollmond von heute
(ekliptikale Länge von 193 Grad).
In der Ausstellung und im Ausstellungsbuch "Der geschmiedete Himmel" von H.
Meller, Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle, Druck 2006) ist der 10. März
ein
wichtiges Datum. Betrachten wir den Mond an diesem Tag näher.
Am 10. März 1697
v. Chr. steht die Abendsichel (34,4° Abstand zur Sonne, Mond 8,7 %
beleuchtet, Mond ist 3,1 Tag alt, Sonne in den Fischen, Frühlingspunkt
unterhalb der Hornsterne des Widders) in Konjunktion mit Alcyone, dem hellstern
Stern des Plejaden. Dieser Mond
ist also schmaler als die abgebildete Sichel.
Ein Jahr später (1696 v. Chr.) ist
die Konjunktion mit diesem Stern 11 Tage früher (ausgehend vom Sonnenjahr zu 365
1/4 Tagen). Am 28. Februar 1696 v. Chr. steht die Abendsichel bei Alcyone. Es
ist eine viel dickere Sichel als am 10.3.1697 v. Chr. da die Sonne fast 11 Grad weiter entfernt ist (44,4°
Abstand zur Sonne, Mond 14,2 % beleuchtet, Mond ist 4,1 Tag alt).
Zehn Tage später, am 10.
März 1696 v. Chr., ist der Mond voll. Am folgendem Jahr gibt es am 10.3. also kein Sichel bei den Plejaden.
Erst am 26. März 1696 v. Chr. zieht der Mond an den Plejaden vorbei. Dann steht
jedoch eine ganz zarte Abendsichel bei den Plejaden
(18,2° Abstand zur Sonne, Mond 2,6% beleuchtet und 1,6 Tage alt). Man
brauchte am 26. März 1696 v. Chr. jedoch recht gute Augen um die Plejaden sehen zu können.
Erst nach 19 Jahre steht der Mond am selben Tag (fast) in gleicher Phase
wieder bei Alcyone (Metonischer Zyklus). Erst am 9. März 1678 v. Chr. steht
eine ähnliche Abendsichel wie auf der Nebrascheibe (34,9° Abstand zur Sonne) wieder in Konjunktion mit Alcyone.
So
einfach der Mond am Himmel zu erkennen ist, so schwer sind seine
Bewegungen zu überschauen. Wir haben erfahren, wie unüberschaubar das Zusammentreffen des Abendsichels mit den Plejaden
während 19 Jahre ist. Ich finde es darum unglaubwürdig, dass man die
Konjunktion der Mondsichel mit den Plejaden
eine bauerliche Kalenderfunktion zuschreibt.
Die auffällige Sichtbarkeit der Plejaden am Abendhimmel Anfang März reicht schon um den
Beginn des bäuerlichen Jahres anzuzeigen. Für die Ankündigung des Frühlings
brauchen die Plejaden nicht in Konjunktion zu treten mit der Abendsichel.
Im Altertum haben babylonische Astronomen die Konjunktion von der Abendsichel
mit den Plejaden gebraucht um den Mondkalender anzupassen an dem
Sonnenjahreslauf. Sie haben durch zu schauen nach dem Datum worauf diese
Konjunktion stattfindet (findet sie auf dem ersten, zweiten oder dritten Tag nach dem
Neulicht, dem Sichtbarwerden
der Abendsichel, statt?) und durch bestimmte Regel zu benützen an einem Mondjahr
von 12 Mondmonate von 29 oder 30 Tage einen extra Mondmonat zugefügt. Die Konjuktion von der Abendsichel
mit den Plejaden ist jedoch völlig ungeeignet als Zeichen für die Bauer üm
jährliche Arbeiten, die in Zusammenhang mit dem Sonnenjahreslauf stehen,
anzukündigen
Meines Erachtens hat der Goldschmied eines der schönsten abendlichen Himmelsbilder dargestellt: die zart funkelnden Plejaden, eingerahmt durch Venus in ihrem (fast) höchsten Glanz, und durch die zierliche Sichel, die sich ihnen nähert. Es kann sein, dass die Nebrascheibe einen (religiösen) Schmuck war, der oben auf dem Hügel, im Grab eines reiches Menschen, mitbegraben wurde. In der Nähe von Nebra sind ja viele Hügelgräber (Alter: Jungsteinzeit bis Bronzezeit). Bei bestimmten Kulturen war es Gebrauch metalle Werkzeuge, Schmuck und Waffen mitzubegraben. Damals gab es ja schon Bronze-, Gold- und Silberschmuck.
In vielen Kulturen trägt der Planet Venus denselben Name wie die Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Venus. Wenn sie in der rötlichen Abendglut oberhalb des westlichen Horizonts prangt oder am dunklen Firmament intensiv zwischen den Sternen aufleuchtet, mag man von diesem Bild tief berührt sein. Sie übertrifft in der Zeit ihres hellsten Glanzes alle Planeten an Leuchtkraft. Vor allem, wenn die Mondsichel in ihrer Nähe steht, oder wenn sie sich nah bei den Plejaden befindet, zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Viele Menschen sind dann von der Schönheit des Anblicks ergriffen.
Im Standardwerk zur antiken Astronomie "Erwachende Wissenschaft, Band 2, Die
Anfänge der Astronomie" von B.L. van der Waerden (Birkhäuser Verlag, Basel,
1980, 2. Auflage, S. 32 - S. 50) ist beschrieben, dass die ältesten astronomischen und
astrologischen Texte aus der altbabylonischer Zeit stammen. In Mesopotamien
wurden von 1581 bis 1561 v. Chr. genaue Beobachtungen zum Sichtbarwerden und
Verschwinden von Venus (NIN.DAR.AN.NA, die bunte Herrin des Himmels) am Abend-
und Morgenhimmel beschrieben .
"Wenn im Monat Sabatu am 15. Tage Venus im Westen verschwand, 3 Tage unsichtbar
blieb und am 18. Sabatu wieder erschien, (so gibt es) Katastrophen von Köningen;
Adad wird Regen bringen, Ea unterirdische Wasser; Köninge werden Köningen Grüsse
senden."
"Wenn im Monat Arahsamna am 10. Tag Venus im Osten verschwand, 2 Monate 6 Tage
unsichtbar blieb und im Monat Tebetu am 16. wieder erschien, so wird die Ernte
des Landes gedeihen."
Die Göttin verkündete also durch ihr Verschwinden und Erscheinen Naturereignisse als Regen und gute Ernte.
Das erste Beispiel berichtet über den schnellen Übergang vom Abend- zum
Morgenplanet, das zweite über das Verschwinden vom Morgenhimmel und wieder
Sichtbarwerden am Abendhimmel. Die Identität von Morgen- und Abendplanet war
damals also erkannt.
Die altbabylonische Kultur beruht auf der älteren der Sumerer. Die Babylonier benützten die Keilschrift, die durch die Sumerer erfunden war. Ungefähr 1400 bis 1200 v. Chr. wurden Grenzsteine mit Abbildungen von der Sonne, der Mondsichel, von einem achtstrahligem Stern und anderen Gestalten hergestellt. Dank der Keilschriftexte ist es möglich die damalige Anfänge der Astronomie im Osten zu erforschen. Ob es im Westen damals auch so ein grosses Wissen von den Venusrhythmen gab, ist mir nicht bekannt. Man kann jedoch vermuten, dass ein Mensch der so eine schöne Scheibe herstellen kann, auch ein sensibles Empfinden für den schönen Anblick des Planeten Venus am Abendhimmel hatte.
Es gibt also verschiedene Gründen zu ahnen, dass mit der größeren goldenen Scheibe die schön leuchtende Venus dargestellt wurde.
Die Sonne tritt in unserem Jahrhundert um den 20. - 21. Mai in Konjunktion
mit Alcyone. Venus ist immer in ihrer Nähe und befindet sich jedes Jahr einige Tage südöstlich der Plejaden. Ihre Konjunktionen mit Alcyone finden
in unserem Jahrhundert statt zwischen 3. April und 6.
Juli. Wenn sie eher als die Sonne (vor 20. - 21. Mai) in Konjunktion tritt mit
den Plejaden, ist sie Abendplanet.
Vor zwei Jahrtausenden waren die Konjunktionen von Venus mit den Plejaden etwa
einen Monat früher im Sonnenjahreslauf, also zwischen Anfang März und Anfang
Juni. Wenn Venus Anfang März an den Plejaden südlich vorbeizog, waren beide gut
sichtbar.
Damals, z.B. Anfang März 1705 v. Chr. und
Anfang März 1697 v. Chr., war das Himmelsbild wahrscheinlich viel
eindrucksvoller als heutzutage
Venus ist einmal in acht Jahren während ihrer Konjunktion mit den
Plejaden ein so stark prangender Abendplanet, dass man sie recht groß
abbilden möchte. Venus befindet sich dann außerdem nördlich der jährlichen
Sonnenbahn und kann damit sehr nah an den Plejaden herantreten. Anfang April 2004 leuchtete Venus ganz intensiv südöstlich der
Plejaden am Abendhimmel, in 2012 wird sie wieder Anfang April ganz nah an
Alcyone heran treten und den Abendhimmel dominieren.
April 2007, und jeweils 8 Jahre später, zieht Venus auch als helle Abendplanet
an den Plejaden südlich vorbei. Sie hat dann jedoch noch nicht ihren größten
Glanz und bleibt ausserdem bedeutsam südlicher entfernt von Alcyone.
Die Konjunktion von einer hellen Venus mit den Plejaden findet jeweils in acht
Jahre zwei mal statt, wobei die eine Konjunktion (2004, 2012) viel
eindrucksvoller ist als die andere (2007, 2015). Da die Venuskonjunktion mit den
Plejaden jeweils nach acht Jahre wieder unter ähnlichen Bedingungen stattfindet,
könnte es sein, dass dieser Datum ausgewählt war für bestimmte Festen. Ob das wunderschöne Himmelsbild
des Goldschmiedes eine bestimmte religiöse Bedeutung hat, bleibt auch bei dieser
Interpretation eine offene Frage.
Auf der Scheibe sieht es so aus, als ob der Mond und Venus recht nah an die Plejaden herantreten und südlich an ihnen vorbeiziehen. Man könnte erwarten, dass die Himmelsabbildung in den Jahren hergestellt wurde, in denen der aufsteigende Mondknoten in Widder, Fische, Wassermann oder Steinbock war. Dann näherte sich der Mond den Plejaden am auffälligsten. Das Erforschen des 18-jährigen Mondknotenrhythmus ermöglicht eine verfeinerte Hypothese des Herstellungsjahres der Himmelsscheibe.
Ein Problem taucht auf: Venus kann nur max. 47° von der Sonne
entfernt sein, die Sichel hätte also etwas schmaler gestaltet sein müssen.
Gerne würde ich, speziell von den auf Babylon spezialisierten
Archäoastronomen, Rückmeldungen zu dieser neuen Theorie bekommen: Venus,
Abendsichel und die Plejaden.
Diese Hypothese wurde im Februar 2007 an das
Landesmuseum geschickt. Bisher ist noch keine Diskussion entstanden. Ich habe
mehrmals versucht diese Venusbetrachtung im April 2007 auf der Diskussionsseite
der deutschen Wikipedia aufzunehmen. Immer wieder wurden meine Beiträge von
dieser Diskussionsseite entfernt. Damals gab es dort wohl 59 Seiten Diskussion,
aber fast kein inhaltliches astronomisches Gespräch. Auf die astronomischen
Fragen wurde nicht eingegangen, obwohl es ganz viel Kritik an der "offiziellen
Erklärung" gibt
Venus zieht im April 2007 als heller Abendplanet an den Plejaden vorbei, sie
wird jedoch erst im Juli ihren größten Glanz erreichen. Wenngleich der Himmel
nicht die genaue Komposition der Himmelsscheibe wiedergibt, bietet uns der
westliche Abendhimmel doch einen Reigen schöner Ansichten: Vom 10. bis 14. April
steht Venus nahe bei den Plejaden, die zunehmende Mondsichel eilt vom 18. bis
20. April an den Plejaden und der Venus vorbei.
Menschen, die den Fundort besuchen möchten und gerne die Stimmung der Landschaft und den örtlichen Himmel erleben möchten, empfehle ich gerne in Nebra ein Fahrrad zu mieten. Es gibt beim Bahnhof Nebra einen schönen Fahrradweg am Fluss Unstrut entlang (flacher Weg) Richtung Memleben (halbe Stunde). Die schöne und milde Landschaft am Fluss Unstrut ist bei Memleben, südlich von Fundort, zum Westen hin sehr offen. In der ländlichen, freundlichen Umgebung von Memleben gibt es einen breiten Tal mit einem sehr weiten Himmelsblick, speziell auf den westlichen Himmel. Dagegen hat man bei Memleben nach Osten (Aufgangsrichtung der Himmelslichter) hin eine weniger gute Sicht.

Eine Impression aus dem Tal der Unstrut. In dieser lieblichen Umgebung - nur wenige Kilometer von Kloster Memleben entfernt- ist der Fundort, siehe die Website von Memleben
Vom sehr alten
Dorf Memleben aus sieht der Aufsteig zum Fundort (Nordosten von Memleben)
viel flacher aus, als auf dem Weg, den ich zunächst gegangen bin: von Nebra über
die offizielle Anfahrtstrasse nach Klein-Wangen, am erstaunlich grossen, eckigen
Besucherzentrum (Arche Nebra) vorbei und über einen ziemlich steilen Asfaltweg
den Berg hinauf.
Von Nebra, selber auch auf einem Berg gelegen, kommt man
erst von Osten und dann von Süden an den Fundort heran, unterwegs gibt es durch die
Berge und Bäume keinen guten Blick auf den westlichen Himmel. Und der
hügelartige östliche Horizont hat keine speziellen Merkmale.
Der Fundort oben auf dem Hügel muss nicht unbedingt astronomische Bedeutung haben. Es könnte ja das Grab eines wichtigen Menschen (Fürst, Priester) sein. Es war ja damals in mehreren Kulturen der Brauch führende Menschen zusammen mit Kunstgegenständen und Schwertern zu begraben.
Wenn man tagsüber in der Landwirtschaft, in der Natur, beim Jagen oder zu Hause viel geschafft hat, ist ein abendlicher Gang den Berg hinauf um die Plejaden und die zunehmende Mondsichel anzuschauen, eine Herausforderung. Im Februar oder März kann es noch recht kalt und windig sein. Ein Pferd wäre da sehr nützlich. Aber warum an den Abenden nach dem Neulicht so einen Weg unternehmen, wenn man auch bei den Hütten am Fluss am westlichen Himmel die Abendsichel und die Plejaden so gut sehen kann? Wenn leicht bewölktes Wetter ist, haben die Menschen im Tal, bei einem Holzfeuer sitzend, sogar mehr Chance die Plejaden zu sehen, als wenn man sich bemüht, bei Sonnenuntergang in (nord)östliche Richtung den Hügel hinaufzugehen. Auf dem Rückweg ins Tal bei dunklem Himmel (Richtung Memleben oder Wendelstein) könnte man einen sehr guten Blick auf den untergehenden Mond am westlichen Himmel haben, vorausgesetzt, dass da keine Bäume waren, wie jetzt.
Von Nebra aus ist die Stelle hoch auf dem anderen Berg hinter Wangen noch weniger geeignet, eine (täglich besuchte) astronomische Beobachtungsstelle zu sein. Die Dörfer Wangen und Klein-Wangen, südöstlich vom Fundort, liegen im Tal zwischen die Bergen und haben viel weniger Himmel als Memleben und Nebra. Sie sind also viel weniger geeignet für das Betrachten der untergehenden Sonne, den sinkenden Mond und die untergehenden Plejaden als Nebra (hoch auf dem Berg) und Memleben (im flachen Tal).
Speziell an den Abenden, an denen man das Neulicht erwartet, und bei zunehmender Abendsichel, wenn die Sichel während der Abenddämmerung am westlichen Himmel jede viertel Stunde intensiver aufleuchtet, ist es recht schön, im flachen Gebiet zwischen Memleben, Wendelstein und dem Fundort zu bleiben. Da gibt es keinen kalten nordöstlichen Wind und man kann während längere Zeit hindurch gut beobachten, wie der Mond allmählich senkt.
Für uns aus der stark industrialisierten Welt ist es ein großer Genuss, dort den Nachthimmel zu erleben. Es wäre recht sinnvoll, wenn dieses Gebiet weiter verschont bliebe von künstlichem kalten weißen Licht, Motorradfahrern und Autos. Sterngucken ist ja viel eindrucksvoller in einer ruhigen und dunklen Umgebung, als wenn man umgeben ist von Lampen und Lärm von mobilisiertem Verkehr.
Ich wünsche eine spezielle Art des Tourismus: Dieses Gebiet wird weiter gestaltet zu einem "Nachtdunkelmuseum", einem einzigartigen Naturschutzgebiet, wo Menschen während der Abenddämmerung und in der Nacht zwischen Getreidefeldern, Wiesen und Kräutergärten das Himmelsgefunkel erleben können. — Vielleicht mit einem heißen Getränk an einer windfreien Stelle am Holzfeuer, einer gelb-orangenfarbigen Lichtquelle und angenehmen Wärmespender, sitzend.
Dies auch zur Ehre an dem Goldschmied und seinen Zeitgenossen. Die Einnahmen dieses natur- und menschfreundliches Tourismus kämen diesem Gebiet sicherlich zugute.