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Die Dynamik des Tierkreises und die Sonnenwirkungen im
Jahreslauf Jahreslaufprozesse und
Nahrungsqualität
Fachgruppe 46 mit Liesbeth Bisterbosch
Zum Vertrautwerden mit dem örtlichen Himmel haben wir die Bewegungen der Tierkreisbilder und der Februarsonne, Märzsonne usw. betrachtet und
sind sie nachgelaufen. Die Reihenfolge des
Aufgehens (Löwe, Jungfrau, Waage usw.) und die sich
gegenüberstehenden Bilder (Löwe-Wassermann, Jungfrau-Fische usw.) waren Thema.
Die Art und Weise wie die zwölf Tierkreisbilder am Himmel erscheinen, können wir
erfahren als Bilder der zwölf verschiedenen Sonnenbewegungen - Sonnenqualitäten
- im Jahreslauf. Die Betrachtung der Dynamik des
Tierkreises trägt zu einem erweiterten Sonnenbegriff bei.
Die gesamte Pflanzenwelt entwickelt sich im Jahreslauf.
Die Märzsonne hat eine andere Wirkung auf die Entwicklung der Pflanzen als die
Juni- oder Septembersonne. Bemerkenswert ist,
dass die Entwicklung einer Pflanze (das Keimen, das ausbreitende Wachsen, das Blühen und das Abreifen)
ähnliche Gesten zeigt wie die Dynamik der Sonne im Jahreslauf. Wir verfolgten am Weizen, wie die Entwicklung der Pflanze dem Sonnenzyklus verwandt ist.
Beim Entstehen von gereiften Körnern finden März- und Septemberprozesse
gleichzeitig statt. Dieser
Text bietet auch Schritte auf dem Wege zu einem Verständnis
von Nahrungsqualitäten.
Über das Ein- und Auswickeln der Sonne
Der Himmelsbogen der Sonne ist jeden nächsten Tag anders. Die Sonne ist im
Jahreslaufzyklus jeden Tag "neu". Die Sonne beschreibt vom kürzesten Wintertag
bis zum längsten Sommertag jeden Tag einen etwas längeren, höheren und
nördlicheren Himmelsbogen. Sie erhebt sich „aus der Erde", sie steigt auf.
Das Wort „aufsteigen" wird auch für das tägliche „Klettern" der Sonne am östlichen
Himmel verwendet. Im Schweizerischen gibt es für das jährliche Klettern der
Sonne das spezielle Wort "obsigent" oder "obsigend". "Obsi" bedeutet "aufwärts".
Man sagt sowohl "die Sonne ist am 22. Dezember obsigent" (sie wird
jetzt aufsteigend)
als auch "sie ist vom 22. Dezember bis zum 21. Juni obsigent".
In der anderen Jahreshälfte beschreibt die Sonne jeden Tag eine kleinere,
tiefere und südlichere Himmelsbahn; die Sonne verbirgt sich immer mehr unter dem
Horizont. Die Sonne geht vom 21. Juni bis 22. Dezember abwärts; sie ist
"nidsigent".
Die beiden extremen Tage:
Sommersonnenwende
der hellste Tag
21. Juni

Wintersonnenwende
der dunkelste Tag
22. Dezember
Für unsere Betrachtung über die Dynamik der jährlichen Sonnenbewegung
brauchen wir Worte, mit denen die Intensität des Auf-und Abwärtsgehens beschrieben
werden kann. Die Sonne wickelt sich von der Wintersonnenwende zu der
Sommersonnenwende aus, dagegen wickelt sie sich im anderen Halbjahr ein.
Ende März gibt es zwei Stunden mehr Tageslicht als Anfang März
(Nord-Deutschland). Im März nimmt die Länge eines Tages fast dreimal soviel zu wie am
Anfang oder Ende der Auswicklungsperiode. Die Tageslänge nimmt von Dezember bis März immer
schneller zu. Nach
der Frühlingstagundnachtgleiche nimmt die Tageslänge weiter zu, die
Geschwindigkeit nimmt jedoch ab.
Die Monate März und September zeigen die größten täglichen Änderungen, die Monate vor und nach der
Sommer- bzw. Wintersonnenwende die kleinsten. Das Aus- und Einwickeln der Sonne findet am intensivsten zu
Beginn des Frühlings und des Herbstes statt.

Abb. 1: Die Himmelsbogen der Sonne
während der Winter- und
Sommersonnenwende (Hannover). Die Auf- und Untergangsstellen und die
Höhe des Tagesbogens
verschieben sich bis Anfang Frühling jede Woche ein größeres
Stück
in nördliche Richtung.
Die Dicke der Pfeile zeigt die Intensität des Auswickelns an.
Die Dynamik der Sonne im Jahreslauf zeigt also zwei andere extreme Tage:
| Frühlingsanfang |  | Herbstanfang |
schnellste Zunahme der Tageslänge | | schnellste Abnahme der Tageslänge |
| 21. März | | 22. September |
Der erste Gegensatz bezieht sich auf das Seiende, dieser zweite auf die
Änderungen, das Werdende. Der Jahreslaufzyklus zeigt insgesamt vier Wenden:
* Im Dezember und Juni ändert sich augenscheinlich wenig. Die Sonne wechselt
allmählich die Richtung ihrer Bewegung.
* Im März und September erleben wir die größten Änderungen an den Stellen von Auf- und Untergang, in den Himmelsbogen und in der Helligkeitsdauer.
Das Spezielle der Sonne zeigt sich beim
Vergleich mit anderen Bewegungen am Himmel:
* Die Sterne gehen jeden Tag 4 Minuten früher auf (Takt). Die Aufgangszeiten der
Sonne variieren.
*
Saturn und Jupiter haben von Jahr zu Jahr ein modifiziertes Aus- und
Einwickeln. Das Pendeln der Sonne hat jedes Jahr die gleiche Dynamik.
*
Mars bekommt immer wieder Aufmerksamkeit durch eine Höchstleistung. Die Sonne
prägt das Leben ohne
Rekorde zu brechen.
* Merkur und Venus bewegen sich sehr kompliziert, schwer überschaubar. Mehrere
Bewegungstendenzen sind miteinander verschlungen, wobei mal die eine, mal die
andere dominiert. Der Sonnenrhythmus ist dagegen sehr harmonisch. Jeder Tag ist
rhythmisch eingegliedert zwischen den vorherigen und den späteren.
* Wann und wo der Mond am nächsten Tag erscheint, überrascht uns immer wieder.
Dagegen orientieren wir uns an der Sonne. Der Tag-Nachtrhythmus und der Jahreslaufrhythmus sind
am tiefsten mit uns verbunden.
* Im Alltag ist der Blick gerichtet auf irdische Gegenstände. Das Aufgehen der
Sonne zeigt sich jedoch im ganzen Umfeld schon lange bevor die Scheibe am
hellen Himmel den Horizont übersteigt. Gewöhnlich schauen wir am klaren Himmel
nicht zur Sonne hin. Wo ihr Licht die Gegenstände erhellt und
aufglänzen lässt, wo
ihre Wärme uns durchdringt und wo die Pflanzen prächtig gedeihen, dort erleben wir Sonne.
Der örtliche Jahreslauf erscheint jedes Jahr
anders. Die aktuellen Sonneneinflüsse können
sich von Tag zu Tag, sogar von Minute zu Minute ändern. Abhängig von den regionalen und lokalen Bedingungen und dem Wetter
bekommt jede Pflanze andere Jahreslaufeinflüsse. Die aktuelle Jahreslaufwirkung
ist eine ort- und wetterbedingte Variante des "himmlischen Jahreslaufes":
| | der hellste Monat
Junisonne | |
 | |  |
größte Geschwindigkeit
beim Hellerwerden Märzsonne | | größte
Geschwindigkeit
beim Dunklerwerden
Septembersonne |
 |
|
 |
| | der dunkelste Monat
Dezembersonne | |
Die Sonne im Tierkreis
Tagsüber lässt sich nicht beobachten in welchem Tierkreisbild die Sonne sich befindet. Der nächtliche Sternenhimmel
kann uns jedoch darüber Auskunft geben. In der Weihnachtszeit sind die Zwillinge während der ganzen Nacht zu bewundern.
Bei Sonnenuntergang gehen sie weit nördlich, etwa im Nordosten, auf. Mitten in
der Nacht stehen die hellen Sterne Kastor und Pollux an ihrer höchsten Stelle im
Süden und gehen erst in der Morgendämmerung ungefähr im Nordwesten unter. Der
Schütze, das
Bild das jeweils beim Untergehen der Zwillinge aufgeht, wird im Dezember nicht
sichtbar. Für uns stehen Zwillinge und Schütze einander gegenüber.
Ein halbes Jahr später, zur Johannizeit, hat der Schütze „seinen Glanzmonat". Er
befindet sich die ganze Nacht, die im Juni nur kurz ist, am Himmel und steht in
der Mitte der Nacht an seiner höchsten Stelle. Der Schütze beschreibt nur eine kleine, flache Himmelsbahn, ungefähr von
Südosten nach Südwesten. Beim Untergang vom Schützen geht in der
gegenüberliegenden Richtung, im Nordosten, die Sonne auf. Die Zwillinge werden
im Juni nicht sichtbar.
Beim Betrachten der Sternenwelt ergibt sich der Gegensatz:
Stier und Zwillinge beschreiben von allen Tierkreisbildern
die längste und nördlichste Bahn.
Sie sind jeden Tag etwa 17 Stunden am Himmel (NO-NW).
Sie sind im November, Dezember und Januar
fast die ganze lange Nacht über sichtbar.
Die Tierkreisbilder
Skorpion und Schütze beschreiben
die kleinste und südlichste Himmelsbahn.
Sie sind jeden Tag weniger als acht Stunden am Himmel (SO-SW).
Sie stehen im Mai, Juni und Juli
während der kurzen Nacht
tief über dem südlichen Horizont.
Es lässt sich so finden, dass die Sonne zur Sommersonnenwende zwischen den Hörnern vom
Stier und den Füssen der Zwillinge steht und zur Wintersonnenwende
zwischen dem Skorpion und dem Schützenbogen. Aus dem allmählichen Unsichtbarwerden der Sterne in der Abendglut
und ihrem Wiedererscheinen in der Morgenröte lässt sich schließen, dass die Sonne jährlich
den ganzen Tierkreis in östlicher Richtung durchläuft. Nach einem Monat ist die
Sonne aus der Mitte eines Bildes zur Mitte des östlicher gelegenen verschoben.
Die Sonne geht am ersten Frühlingstag genau im Osten auf und etwa zwölf Stunden
später genau im Westen unter. Sie befindet sich an diesem Tag im Tierkreisbild
Fische, das jeden Tag einen Bogen von Ost nach West beschreibt. Sie wandert von den Fischen zum Widder, zum
Stier und tritt 2007 am zweiten Sommertag (am 22.6.) in die Zwillinge ein. Der jährliche
Gang der Sonne durch den Tierkreis verläuft also entgegengesetzt zum täglichen Himmelsbogen.
Wir können die Märzsonne, die Aprilsonne usw. beobachten und an den Pflanzen
ihre Wirkung ablesen. Dagegen können wir die Position der Sonne im Tierkreis,
die Fischesonne, die Widdersonne usw. nie am Himmel sehen, nur denken. Wir
verhalten uns zu der "Nacht-Sonne" (der "Tierkreis-Sonne") ganz anders als zu
der "Tag-Sonne" (der "Himmelsbogen-Sonne"). Es ist in diesem
Zusammenhang bemerkenswert, dass
die Nacht-Sonne sich gegenläufig zu der Tag-Sonne bewegt.
Die zwölf Tierkreisbilder
Widder, Stier, Zwillinge Krebs und Löwe sind jeden Tag mehr als zwölf Stunden am
Himmel. Die Sonne durchwandert im Frühling und Sommer diese Bilder. Wir
nennen sie die "hellen Bilder". Schütze und die benachbarten Bilder Waage,
Skorpion, Steinbock und Wassermann verschwinden innerhalb weniger als zwölf Stunden vom Himmel. Die Sonne zieht
im Herbst und im Winter an diesen Sternbildern entlang. Schütze ist das
"dunkelste Bild".

Abb. 2: Die zwölf Tierkreisbilder Fische, Widder, Stier
usw.
gehen
nacheinander auf.
Stier und Zwillinge
beschreiben die höchsten Himmelsbogen,
Skorpion und Schütze die tiefsten.
Die Sonne befindet sich am
ersten Frühlingstag in den Fischen, zur Sommersonnenwende zwischen Stier und Zwillinge. Der jährliche Gang der Sonne durch den Tierkreis geht in die Gegenrichtung
im Vergleich zum täglichen Himmelsbogen.
Auffällig kurz nach dem Aufgehen vom Schützen erscheinen auch die Hörner vom
Steinbock, der Oberkörper vom Wassermann, die beiden Fische, die Hörner vom
Widder und der Rücken vom Stier am östlichen Himmel. Jedes nächste Bild geht
nördlicher auf und wird einen höheren und längeren Himmelsbogen beschreiben.
Der Aufstieg der Zwillinge findet schon innerhalb acht Stunden nach dem
Aufgang des Schützens statt.
Steinbock, Wassermann, Fische, Widder und Stier gehen auffällig langsam nacheinander unter. Nach dem Untergang vom Schützen dauert es
noch etwa 17 Stunden bis endlich auch die Köpfe der Zwillinge vom Himmel
verschwinden. Diese Tierkreisbilder haben also
die Tendenz zum "verfrühten Erscheinen" und "verzögerten Untergehen".
Dieser Bewegungsstil ist am kräftigsten beim Sternbild Fische.
Von der Winter- zur Sommersonnenwende steht die Sonne von Monat zu Monat in
einem Tierkreisbild, das eine nördlichere Aufgangsstelle hat und einen höheren
Himmelsbogen beschreibt. Die Fische und ihre Nachbarbilder könnten wir die
"aufsteigenden Bilder" nennen. Ein Stern geht jedoch ein Menschenleben lang jeden Tag in der gleichen Richtung
auf und beschreibt immer wieder den gleichen Himmelsbogen. Wir möchten die
Dynamik beim Auf- und Untergehen betonen, deshalb sagen wir: Steinbock,
Wassermann, Fische, Widder und Stier tendieren dazu, am Himmel zu sein. Die
einwickelnde Sonne durchwandert Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion. Diese
Bilder gehen relativ langsam nacheinander auf und relativ schnell
nacheinander unter. Das nächste Bild geht südlicher
auf, beschreibt einen tieferen Himmelsbogen und verschwindet erstaunlich schnell
vom westlichen Himmel. Nachdem der Löwe endlich ganz vom Kopf bis zum Schwanz
aufgegangen ist, dauert es noch drei Stunden, ehe auch die Jungfrau sich erhoben
hat. Beim Untergehen vom Löwen, verschwindet die Jungfrau
auch schon. Diese Tierkreisbilder haben die Neigung sich zu verbergen. Die
Jungfrau zögert am meisten beim Aufgehen und verschwindet am schnellsten.
Fische und Jungfrau sind sich gegenüberstehende Bilder. Sie befinden sich zwischen den hellen und
den dunklen Bilder. Ihre Bewegungen sind jedoch recht
gegensätzlich. Der Tierkreis zeigt also vier Extreme oder zwei Gegensatzpaare. Wegen der Positionen der Tierkreisbilder am südlichen Himmel werden bei einem
Schema,
in dem die
Zwillinge oben stehen, die Fische rechts und die Jungfrau links angeordnet.
| | Zwillinge das "hellste Bild" |
|
Jungfrau tendiert dazu,
verborgen
zu sein |
 |
Fische
tendieren dazu,
am Himmel zu sein |
| |
Schütze
das "dunkelste Bild" |
|
Jedes der zwölf Tierkreisbilder hat seine eigenen Bewegungseigenschaften.
Einige Beispiele:
* Widder und Löwe beschreiben etwa den gleichen Himmelsbogen, sie sind gleich
"hell". Sie unterscheiden
sich im Bezug auf ihre Dynamik beim Auf- und Untergehen.
* Krebs und Waage haben etwa die gleiche Dynamik beim Auf- und Untergehen.
Krebs ist ein helles Bild, Waage dagegen ein dunkles.
Die Zwillinge, hoch am südlichen Himmel, rufen die Erinnerung an die helle Junisonne
wach. Beim Warten auf die träge aufgehende Jungfrau erfahren wir etwas
Ähnliches wie bei der
Septembersonne. Die Tierkreisbilder machen uns jede Nacht, jeden Moment, aufmerksam auf die unterschiedlichen Sonnenqualitäten im Jahreslauf:
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Zwillinge
die höchste Bahn
Sommerruhe
Junisonne |
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Jungfrau
am intensivsten
Einwickeln
Septembersonne |
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Fische am kräftigsten
Auswickeln
Märzsonne |
| |
Schütze
die tiefste Bahn
Winterruhe
Dezembersonne |
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Entwicklungsphasen der Pflanze
Eine wachsende Pflanze hat fortwährend andere Formen. Es gibt zwei extreme
Erscheinungsformen:
die blühende Pflanze

der Samen
Die Entwicklung einer einjährigen Pflanze zeigt zwei Richtungen:
1) Das Wachsen vom Samen bis zur blühenden Pflanze. Mit dem Samen sind
sämtliche Möglichkeiten des Werdens verbunden. Die
Pflanze nimmt während des jugendlichen Wachsens Substanzen aus ihrer Umgebung auf
und breitet sich in ihr aus. Sonnenlicht, warme Luft
und feuchte Erde fördern das aufquellende Wachsen, sehr viel Sonnenlicht bremst dieses jedoch.
Im Laufe dieser Entwicklung entstehen verfeinerte Formen. Die Flächenbildung
tritt während der generativen Streckungsphase zurück. Die blühende Pflanze erreicht die
größte Entfaltung und die höchste Ausdifferenzierung. Sie ist sowohl Ausdruck
ihrer Art, als auch der vergangenen Entwicklung. Die damaligen Bedingungen und
Umgebungseinflüsse kommen in ihren Formen, der Festigkeit, in ihren Farben und Gerüchen
zum Ausdruck. Sonnenlicht und warme Luft fördern das differenzierte Wachsen
und den Blühvorgang.
2) Das Befruchtet-Werden, das Abreifen und das Auflösen der äußeren Gestalt.
Die verblühten Blumenblätter trocknen schnell ein. Bei vielen Pflanzen wirbeln
die leichten Blättchen herunter. Die älteren Blätter sterben weiter ab und
vergehen. Die Stängel verlieren ihre Elastizität, sie verdorren. Die jüngeren,
spitzeren Blätter verlieren ihre aufrechte Haltung und neigen
sich (schlaff) zur Erde hin. Die gesamte Blätterfläche nimmt damit noch mehr ab. Während
des Reifens zieht sich die Pflanze aus ihrer Umgebung zurück.
Es finden auch neue Werdeprozesse statt:
Aus der saftigen Fruchtanlage quillt eine zunächst noch grüne Frucht hervor.
Die gelartigen Substanzen in ihren Innern sind höchst wandlungsfähig. Der sich
anschließende Reifungsprozess ist ein völlig anderer Vorgang als
das quellende Wachstum. Es entstehen artspezifische Stoffkompositionen. Diese
haben oft einen charakteristischen Duft und Geschmack. Sonnenlicht und warme, trockene Luft fördern das Reifen.
Die Qualitäten der Substanzen in Frucht und Samen hängen ausserdem mit den
formenden Prozessen, die die Pflanze durchlaufen hat, eng zusammen.
Der gereifte Samen kann zum Anknüpfungspunkt für neues Leben werden. Die nächste
Generation hat modifizierte Möglichkeiten, sich für Umgebungseinflüsse zu öffnen
und in eine neue Umgebung hinein zu wachsen.
Die Dynamik des Weizens und die Sonnenwirkung im Jahreslauf
Die himmelgerichtete Entwicklung des Winterweizens zeigt mehrere Stufen:
* Die Bestockungspflanze bildet im Frühling
immer schneller immer längere, neue Blätter und Seitensprosse. Das Bestocken ist
wie ein immer kräftigeres Aufquellen. Der Ackerboden wird vollständig mit
Blättern bedeckt.
* Die gestreckte Stellung der jüngsten Blätter kündigt die Stängelbildung an. Die
Ähren, die vorläufig noch von den Blättern eingehüllt bleiben, werden empor
geschoben.
* Die Halme bekommen von unten nach oben eine feinere Struktur. Beim linienförmigen Strecken öffnet die ganze Pflanze sich
immer intensiver für das Licht und die Luft. Die Produktion von Blattoberfläche tritt weitgehend zurück.
* Die Ähren werden während des Herauftragens länger und breiter. Dies geschieht
zunächst im Verborgenen. Man fühlt und sieht nur, wie die Halme an einer Stelle
eine Verdickung zeigen, die sich nach oben hin verschiebt und länger und breiter
wird.
* Nachdem die Ähren sichtbar geworden sind, wird die Pflanze noch etwa doppelt
so lang. Das gesamte Aufrichten dauert etwa vier bis
fünf Wochen.
* Die Ähre ist gegliedert in Ährchen, diese in Blüten und Spelzen. Sie sind zart
und fein ausdifferenziert. Es gibt jedoch keine auffällig
gefärbten Blütenblätter, weit geöffnet und herrlich riechend. Die Spelzen verfestigen sich am Licht.
* Die blühende Pflanze ist völlig in ihren
Umkreis hineingewachsen und in ihr Umfeld eingegliedert. Die biegsamen Halme federn elegant, beim Sturm
wehen sie hinunter und wieder hinauf.
Im Juni zeigen die ganz vertikal aufgerichteten Stängel mit den Ähren an der
Spitze Licht- und
Lufteigenschaften.
Nach der Blühphase geschieht in der Ähre Verschiedenes. Der Samen, geschützt
durch die Spelzen, durchläuft unterschiedliche Werdestufen und trocknet allmählich ein. Es dauert dann noch drei bis vier Wochen, bis die Körner nagelhart und todreif
geworden sind. Weizen behält seine majestätische
Aufrechte bis zur Ernte. Die gereiften Körner können uns wertvolle
nährende Kräfte bieten.
Betrachtet man die Vorgänge, so zeigen sich zwei Extreme:
am kräftigsten Ausbreiten
beim Bestocken |
 |
am intensivsten
Abreifen
im
umhüllten Samen |
Die Entwicklung vom ruhenden Samen in der Erde bis zur aufblühenden Ähre im
Licht
zeigt dieselben
Gesten wie die Bewegung der Sonne von der Winter- zu der Sommersonnenwende. Das
Abreifen entspricht dem Einwickeln der Sonne in den ersten drei Monaten nach der Sommersonnenwende.
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Blühen die größte Entfaltung
und höchste Differenzierung
Junisonne |
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am kräftigsten
Ausbreiten
und
sich Öffnen
Märzsonne |
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am intensivsten
Abreifen
und
Konzentrieren
Septembersonne |
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der ruhende Samen
Potenzen
Anknüpfungspunkt für
artspezifische Entwicklung
Dezembersonne |
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Abbild. 3: Der Lebenszyklus von Winterweizen.
Rechts das immer kräftigere Bilden von Blattoberfläche,
das linienförmige Strecken,
das ganzheitliche Sich-Öffnen für das Licht und die Luft
und die immer verfeinertere Gestaltung.
Links oben das Reifen und das Absterben
(Pflanze im Wurzelgefäß).
Entsprechungen und Variante
Der Lebenszyklus von Winterweizen zeigt vier Wenden. Seine Entwicklung ist zu
sehen als eine Variante der "Jahreslaufpflanze", die
ihren Lebenszyklus im Einklang mit dem Aus- und Einwickeln der Sonne vollführt.
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blühende Pflanze
höchste Differenzierung
"Lichtgestalt"
Junisonne |
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am intensivsten
Konzentrieren
Septembersonne |
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am kräftigsten
Sich-Öffnen
Hineinwachsen
Märzsonne |
 |
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ruhende Samen
verborgen in der Erde
Potenzen
Dezembersonne |
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Jede Entwicklung zeigt die März-, Juni- und Septemberprozesse mehr oder
weniger ausgeprägt und zeitlich verschoben. Das Sonnenlicht und die
biologisch-dynamische Wirtschaftsweise fördern den Übergang der gröberen
vegetativen Ausdehnungsphase in die verfeinertere Herausdifferenzierung der
arttypischen Gestalt. Die Pflanze strebt zielgerichteter auf das vertikale
Strecken und die Verfeinerung zu. Die Juniprozesse werden bereits mit
Beginn der Ährenanlage wirksam!
Je
umfassender die Nahrungspflanze das
vegetative Ausdehnen abschliesst und in die neue Entwicklungsphase eintritt,
und je dynamischer dies geschieht, desto mehr zeigt ihre Entwicklung die Gestik des Übergangs vom dunklen Winter
zum hellen Frühling.
Sowohl Pflanzen, die im Schatten aufwachsen, als auch überdüngte Pflanzen
wachsen während der generativen Entfaltung massig weiter. Das Aufrichten
und das artgemässe Differenzieren zeigen sich weniger ausgeprägt. Der ältere
Teil der Pflanze orientiert sich nicht um. Die ganze Pflanze reagiert weniger
auf die gestaltenden Umkreiskräfte, sie ist weniger entwicklungsfähig. Die
Juniprozesse sind weniger wirksam.
Die Frucht gebiert Nahrungssubstanzen
Zum Verständnis der Nahrungsbildung hat Jochen Bockemühl die Entwicklung von
verschiedenen Nahrungspflanzen mit ihren verwandten Wildpflanzen
verglichen (1975, 1983). Die
Kulturformen wirken massiger und jugendlicher. Die rhythmisch verlaufende
Entfaltungsphase wird vorzeitig abgeschlossen (z.B. Getreide) oder im Innern zurückgehalten (z.B. Kopfsalat).
Die Verfeinerung und die Strukturierung sind nach innen gerichtet. Sie führen
zu einer intensiveren Einlagerung der Substanzen und zu den Reifungsvorgängen. Eine verfrühte und verstärkte Fruchtbildung
findet statt. Bockemühl betont
das umhüllende Prinzip der Fruchtbildung. Er betrachtete die Verschiebungen
im Entwicklungsgang und entdeckte, dass beim Übergang von den Wildgräsern zum Getreide die Prozesse vom
Nacheinander zur Gleichzeitigkeit tendieren. Bei der Fruchtbildung sind die Bildetendenzen
wie ineinandergeschoben.
Diese Betrachtung lässt sich in die Sprache der
Jahreslaufprozesse "übersetzen":
Bei den Wildpflanzen finden aufquellendes Wachstum, höchste Differenzierung und
Konzentrierung nacheinander statt. Getreide zeigt zunächst verstärkte
Märzprozesse und dann innegehaltene Juniprozesse. Bei der Kornbildung ereignen
sich die März- und Septemberprozesse gleichzeitig, sie sind ineinandergeschoben.
Das intensive Zusammenwirken von Vorgängen die einander gegengesetzt sind, gebiert
Nahrungssubstanzen!
Über die Bedeutung dieser Betrachtung
Beim Beobachten des Sternenhimmels übt man, einfache und komplizierte Prozesse innerlich nachzuvollziehen. Dies führt zu Erfahrungen mit Gegensätzen,
gegenläufigen Bewegungen und Änderungen im Tempo, die man bei Lebensprozessen auf ihre Art und Weise wiederfinden kann. Man wird aufmerksamer
auf das Zusammenspiel der Prozesse.
Das Beobachten, wie die nahe und weitere Umgebung auf die Pflanze wirken und
das Mitvollziehen der Pflanzenentwicklung im Innern gibt uns einen lebendigen
Bezug zu der örtlichen Sonne. Wir schauen, wie jede Pflanze eine Variation der
"Jahreslaufpflanze" ist und wie ihre Entwicklung gefördert werden kann.
* Es ist spannend zu betrachten, wie die nahen Umgebungsbedingungen (Boden,
Wetter, Landwirtschaftliches Tun) die März-, Juni- und Septemberprozesse
beeinflussen. Regionale Ernährung bekommt einen neuen
Wert.
* Im Laufe der Jahre können wir Erfahrungen über die nährenden Kräfte von schnell wachsenden Frühlings- und
Sommergemüsen und von langsam gereiften Produkten, die im Herbst oder im Winter
geerntet werden, sammeln. Um eine gesunde Nahrungswahl zu treffen, brauchen wir
solche Bilder.
Die Sonnenbewegung, die Tierkreisbilder und das Entwicklungsbild der Pflanze
können von Jahr zu Jahr aussagekräftiger werden. Die himmlische Bildersprache übersteigt klare Ordnungsschemata. Wir
erfahren schöpferische Prinzipien.
Mit herzlichem Dank an Jochen Bockemühl, der mich immer neu lehrt, das Werdende zu
betrachten und die Zusammenhänge zu erforschen. Dank auch an Ruth Mandera,
die mich seit unserer Glashauszeit (1981) darin bestärkt hat, an den
Himmelserscheinungen weiter zu arbeiten. Sie hat mir geholfen die Prozesse zu
beschreiben. So konnte der Text über das in der Arbeitsgruppe Besprochene hinaus
weiterentwickelt werden.
Literatur:
Liesbeth Bisterbosch: Eine
Betrachtung der Getreide-Entwicklung als Grundlage für ein Verständnis der
Ernährungsqualität des Kornes, Anthroposophisch-Naturwissenschaftliches Studienjahr am
Goetheanum, Dornach 1982.
Liesbeth Bisterbosch: Himmelskunde
mit geschichtlichen Betrachtungen über Namen und Gestalten der Sternbilder,
Pädagogische Forschungsstelle, Kassel 2005.
Jochen Bockemühl: Der Jahreslauf als Ganzheit in der
Natur, Elemente der Naturwissenschaft (El.N.) 16, 1972.
Jochen Bockemühl: Ein Weg zur Charakterisierung von
Pflanzenprozessen und zur Qualitätsbeurteilung von Nahrungspflanzen am Beispiel des
Radieschens, El.N. 22, 1975.
Jochen Bockemühl: Lebenszusammenhänge - erkennen,
erleben, gestalten, Dornach, 1980.
Jochen Bockemühl: Vergleiche zwischen Wild- und Kulturformen zum
Verständnis der Nahrungspflanze und zum Finden einer Zielrichtung für die Züchtung, El. N. 39, 1983.
Artikel aus: „Kohlenstoff und Klimawandel, Wie gestalte ich die Humusprozesse in
der Landwirtschaft?“, Sektion für Landwirtschaft, Dornach, 2007.
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