Abbildung: Venus und die Mondsichel vom 28. bis zum 30. Januar,
links um 17.25 Uhr, rechts zwei Stunden später.
Die sinkende Venus erreicht eine steilere Position zum Mond, während die Sichel sich mehr nach oben öffnet.

Deze tekst is geschreven voor a tempo, Januar 2009.
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Eine Schale für die Venus

Jeden Abend wird Venus als erstes Himmelslicht sichtbar. Sie ist so hell und hat eine so gute Position, dass sie bereits vor Sonnenuntergang als zartes Lichtpünktchen sichtbar ist, links über der Sonne. Beim Einbrechen der Dunkelheit scheint sie größer zu werden und leuchtet intensiver auf. Wenn der südwestliche Himmel vollkommen dunkel geworden ist, ist sie ein gutes Stück gesunken, doch sie steht immer noch hoch genug, um auch in einer städtischen Umgebung bewundert werden zu können. Ein so kräftiges Licht – und doch ein so ruhiger Glanz!

Wenn der funkelnde Sirius, der alle Sterne an Helligkeit weit übertrifft, im Südosten aufsteigt, bietet der südliche Himmel einen schönen Anblick: links der zauberhaft glitzernde, farbenreiche Sirius, rechts das reine Licht der Venus.
Im weiteren Verlauf des Monats wird der Abendhimmel immer schöner. Sirius geht jede Woche eine halbe Stunde früher auf. Anfang Januar müssen wir noch bis fast 20.00 Uhr warten, Ende Januar funkelt er bereits um 18.00 Uhr am Himmel. Der Glanz der Venus nimmt zu. Außerdem steht sie mit jeder Woche bei Sonnenuntergang etwas höher und geht später unter (am 1. Januar um 20.33; Ende Januar eine Stunde später). Am 27. Januar erscheint überdies der zunehmende Mond wieder. Dies bildet den Anfang eines facettenreichen Schauspiels, das sich über mehrere Tage erstreckt.

Am Mittwoch, dem 28. Januar, erscheint der Mond als hauchdünne Sichel. Wir benutzen ihn als Wegweiser, um die Venus bereits vor Sonnenuntergang (17.07 Uhr) am hellblauen Himmel zu finden. Der Abstand zwischen ihnen beträgt zwei Handbreit. Die linke Abbildung zeigt die Position der Venus und des Mondes um 17.25 Uhr. Im Sinken bezieht die Venus allmählich eine steilere Position über der Sichel. Außerdem verändert sich die Stellung der «Hörner» des Mondes so, dass die Sichel mehr nach oben hin geöffnet ist. Je tiefer Mond und Venus stehen, um so mehr scheint es, als bilde der Mond eine Schale, die die untergehende Venus auffängt.

Am nächsten Abend bietet der Himmel einen ganz anderen Anblick. Der Mond steht weiter von der Sonne entfernt, er hat zugenommen und ist bereits früher am Nachmittag sichtbar. Er steht viel höher; sein Abstand zur Venus beträgt weniger als eine Handbreit. Aufs Neue bewegt sich die Venus im Laufe des Abends in eine steilere Position über der Sichel, und die Schale dreht sich wieder so, dass sie mehr dem Himmel gegenüber öffnet. Außerdem lässt sich jetzt gut verfolgen, dass der Abstand zwischen ihnen im Laufe des Abends kleiner wird. Die Venus sinkt schneller als der Mond.
Die Schale ist am 29. Januar breiter und bei ihrem Untergang um 20.58 Uhr stärker nach oben geöffnet als am Abend zuvor. Dennoch zeigt der Himmel nicht das Bild einer Schale, in die sich die Venus hineinsenken kann. Das Fangnetz, die «geöffnete Hand», steht zu weit rechts.

Am Freitagabend, dem 30. Januar, sieht der Himmel wiederum ganz anders aus. Venus wird jetzt unterhalb des Mondes sichtbar. Die Mondsichel kehrt ihr gewissermaßen den Rücken zu. Der Abstand zwischen Mond und Venus nimmt im weiteren verlauf des Abends überrasschend schnell zu. Die Stellung der Sichel ist kein Thema mehr, da sie jetzt keine Schale für den Mond mehr bildet.

Beim Wahrnehmen des Zusammenspiels von Mond und Venus werden wir in anderer Weise innerlich aktiv, als wenn wir Sirius und Venus beobachten. Wir benutzen unseren Gleichgewichts- und Bewegungssinn – Sinne, die die kleinen Kinder beim Ergreifen von Gegenständen und beim Laufenlernen entwickeln. Der intensiv funkelnde Sirius ist in dieser Hinsicht «kosmischer», der Mond «irdischer».