
Abbildung: Der babylonische Sonnengott beim Aufgang zwischen zwei Bergen und zwei Wächtern.
Er blickt nach rechts, besteigt den rechten Berg, und seine Arme strahlen gewissermaßen frische Energie aus.
Hält er eine Säge in der rechten Hand?
Er beginnt wohlgemut den neuen Tag und schreitet mit einem großen Schritt vorwärts, von Osten nach Westen.
(Ziegelzylinder, Höhe 3,9 cm, Musée du Louvre, Paris)
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tempo, August 2008.
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Am Freitag, dem 1. August, wird am Ende des Morgens ein kleiner Teil der Sonne verdeckt. Zwei Wochen später, am Samstag, 16. August, verwandelt sich der Anblick des Vollmonds am Abend in eine Schale, die auf dem Kopf steht.
Am 1. August wird, von Hamburg aus betrachtet, der oberste Teil der Sonne zwischen 10:39 und 12:28 Uhr verdunkelt, in Köln zwischen 10:41 bis 12:16 Uhr, in Dresden von 10:47 bis 12:31 Uhr. Je südlicher der Ort, desto kleiner und kürzer also die Bedeckung: In Basel dauert sie nur von 10:52 bis 12:07 Uhr.
Die Qualität des Umgebungslichts und das Leben in der Natur ändern sich während dieser Stunden nicht auffällig. Eine spezielle Sonnen-Sicht-Brille (Schutzbrille) tut dann gute Dienste, man kann mit ihr etwas wahrnehmen, was sonst unbemerkt bliebe: am obersten Rand der Sonnenscheibe verschwindet ein „Bissen“. Das schwarze Gebiet in der orangenen Scheibe wird größer und verschiebt sich zur linken Oberkante. Es ist nicht so, dass ein Teil der Sonne vorübergehend erlischt;
der Mond, mit dem wir durch sein Licht und seine glänzende Gestalt vertraut sind, zeigt
(in der Nähe der Sonne) kurz eine andere Eigenschaft: er ist ein massiven, dunklen Gegenstand.
Die babylonischen Priester konnten ab etwa 300 v. Chr. Voraussagen, an welchen Tagen die Sonne finster aussehen könnte. Sie erstellten Listen mit Tabellen der Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond, den Lauf des Mondes entlang der Sterne und anderer Erscheinungen. Sie berechneten ziemlich genau wie hoch der maximale Verdunkelungsgrad sein könnte. Ob bei ihnen die Verdunkelung sichtbar sein würde, oder in einer anderen Gegend, konnten sie jedoch nicht vorhersagen. Dafür bedarf es des heutigen Wissens um die Entfernung von Sonne und Mond sowie um die jeweilige Größe der Scheiben.
Der Abstand zwischen Sonne und Mond ändert sich rasch, nach gut 29 Tagen stehen sie wieder beieinander. Nach der babylonischen Schöpfungsgeschichte stehen der Sonnen- und der Mondgott nach einem halbem Zyklus „Aug in Auge“ miteinander. Die untergehende Sonne blickt den vollen Mond an, der in der entgegen gesetzten Richtung nahe am Horizont steht. Gut zwei Wochen nach dem 1. August, am 16. August, ist Vollmond. In dem Moment, da die Sonne tief über dem westlichen Horizont steht, geht in entgegen gesetzter Richtung ein blasser Vollmond auf. "Sonne und Mond sind Aug im Auge". Bei Einbruch der Dunkelheit steigt der Vollmond, und ab 21:35 Uhr beginnt die linke untere Seite grau zu werden. Allmählich verliert ein immer größerer Teil des Mondes seinen Glanz, bis um 23:10 Uhr, dann ist nur noch der oberste Teil des Mondes nicht seines Scheines beraubt. Allmählich beginnt ein immer größerer Teil der linken oberen Seite aufzuleuchten, und ab 0:45 Uhr glänzt auch der rechte untere Rand wieder.
Die babylonischen Priester beobachteten solch ein Geschehen mit großer Aufmerksamkeit. An diesen Phänomenen konnten sie vieles ablesen. Sonne und Mond bewegen sich täglich von Osten nach Westen. Ihre rechte Seite ist gewissermaßen die vorderste, die aktive Seite. Eine Mondfinsternis hört an der rechten, aktiven Seite auf. Dagegen beginnt eine Bedeckung der Sonne auf der Seite, in deren Richtung sie sich bewegt. Am 1. August beginnt die Verdunkelung der steigenden Sonne an der Oberseite!