
Abb. Das Himmelsgebiet des Stieres mit seinen rechtwinkligen Grenzlinien.
Die
Sonnenbahn durch den Tierkreis (gestrichelte Linien)
schneidet das Himmelsgebiet
auf 53,4 und 90,1 Grad ekliptikale Länge.
Die Position des Mondes
zwischen den Sternen zu unterschiedlichen Zeiten,
berechnet für den Standort
Kassel.
Im jetzigen Monat steht die zunehmende Mondsichel von Abend zu Abend deutlich
höher und länger am westlichen Himmel. Gerade in der Zeit, in der die Tage am
schnellsten länger werden, erscheint sie besonders auffällig.
Betrachten Sie vom
20. bis 25. März beim Sonnenuntergang (am 20.3. um 18.36 Uhr) den Anblick: die
dicker werdende Sichel sieht aus wie zwei Kuhhörner mit den Spitzen nach oben.
Der Mond tritt auch diesem Jahr bei jedem Umlauf durch den Tierkreis nah an die
Hörnern des Widders und an das obere Horn des Stieres heran. Er befindet sich in
Widder und Stier nördlich der Sonnenbahn (gestrichelte Linie).
Der Abendhimmel
ist besonders schön am 20. und 21. März, wenn der „behornte“ Mond, nah an den
Hörnern des Widder, an der hellen Venus vorbei schnellt und am 19. und 20.
April, wenn er im Kopf des Stieres an dem intensiv leuchtenden Abendplaneten
wiederum nördlich vorbei zieht.
Widder und Stier grenzen aneinander mit ihrem jeweiligen Hinterleib, der - im Gegensatz zu dem gehörnten Kopf - wenig konturiert und lichtschwach ist. Seit 1928 sind die Grenzen zwischen den einzelnen Sternbilder nicht mehr fließend. Damals wurde das Himmelsgebiet eines Sternbildes durch ein Vieleck eindeutig abgegrenzt. Der Stier hat 24 Grenzlinien, jede Linie lag damals parallel am Himmeläquator oder schneidete ihn im rechten Winkel. Die Grenzen der Tierkreisbilder durchschneiden die Ekliptik jeweils unter einem anderen Winkel. Der Eintrittszeit eines Planeten in ein Tierkreisbild lässt sich auf die Minute genau berechnen. Der Mittelpunkt des Mondes tritt am 23. März 2007 um 1.13 Uhr in das Himmelsgebiet des Stiers herein. Das Computerprogramm Guide 8 berechnet diese Zeit für Kassel; in Hamburg geschieht es 2 Min. früher, in Basel 5 Min. später.
Tabellen geben jedoch für den Eintritt des Mondes in den Stier Zeiten an, die
gut sechs Stunden auseinander liegen. Das Berechnungsergebnis hängt eben ab von
mehreren Voraussetzungen. Vor 1928 wurde meistens mit der ekliptikalen Länge der
Tierkreisbilder gerechnet. Hierfür gibt es mehrere Tabellen. Wenn die Sonne sich
53,4 Grad von ihrer Stelle in den Fischen am ersten Frühlingstag entfernt hat,
tritt sie in den Stier herein. Dort schneidet eine Grenzlinie des Stieres die
Sonnenbahn. (Auf dem Bild steht 53,7 Grad, dieser Wert wird durch Astrowissen,
Franckh-Kosmos Verlag angegeben). Bei 90,1 Grad Entfernung vom Frühlingspunkt
schneidet eine andere Grenzlinie die Ekliptik.
Ein Planet befindet sich im
Stier, wenn er eine ekliptikale Länge von 53,4 bis 90,1 Grad hat.
Die Position nördlich oder südlich der Sonnenbahn und die genauen Grenzlinien
werden also nicht berücksicht.
Von Kassel aus gesehen erreicht der Mond am 22.
März um 21.33 Uhr eine Länge von 53,4 Grad. Dieser "ekliptikale-Mond" tritt also
gut dreiein halb Stunden früher ins Sternbild Stier ein als der
"Himmelsgebiet-Mond".
Im Sternkalender (Wolfgang Held, Verlag am Goetheanum) ist angegeben, dass der Mond am 22. März um 19 Uhr im Stier steht. Die ekliptikale Länge des Stieres wird definiert durch 53 Grad. In der Mondtabelle ist die geozentrische Länge eingegeben. Die Berechnung geht also nicht von einem spezifischen Ort, wie Basel oder Kassel, aus. Der (fiktive) Beobachter befindet sich im Erdmittelpunkt. Der sogenannte geozentrische Mond erreicht um 19.38 Uhr einen ekliptikalen Wert von 53 Grad Länge (Guide 8). In den Aussaattagen 2007 (Maria Thun) steht der Mond am 22. März ab 20 Uhr im Stier.
Die Unterschiede der Eintrittszeiten des Mondes in
ein Sternbild lassen sich erklären durch:
1) die abweichenden Definitionen der
Grenzen,
2) den gewählten Standort
3) und ob man den genauen Ort des Mondes ober- oder
unterhalb der Sonnenbahn (Mondknotenrhythmus) in die Rechnung einbezieht.
Aus: Lebendige Erde März, April 2007